Mehr als Kraut und Rüben: Richtig regional ernähren im Winter

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Von Tomaten und Erdbeeren sollte man jetzt die Finger lassen. Aber wer sich der Saison entsprechend ernähren will, muss deshalb nicht monatelang Kohl essen. Wir zeigen, wie auch im Winter eine abwechslungsreiche Ernährung mit Lebensmitteln aus der Region gelingt.

Einerseits liegt regionale und saisonale Ernährung voll im Trend. Andererseits gibt es  im Supermarkt fast jedes Gemüse und Obst zu jeder Jahreszeit zu kaufen. Da liegen im Winter regionale Kartoffeln und Rosenkohl neben Gurken aus Spanien und Spargel aus Südamerika. Dieser vermeintliche Luxus geht auf Kosten von Umwelt und Klima und ist daher nicht nur im Winter Quatsch. Nur eine Ernährung, der sich an den natürlichen Gegebenheiten orientiert, kann wirklich nachhaltig sein.

Saisonal ist regional

Sich sinnvoll saisonal zu ernähren bedeutet, Lebensmittel zu konsumieren, die zur jeweiligen Jahreszeit im eigenen Land bzw. der eigenen Region möglichst umweltverträglich angebaut werden. Ein Beispiel: Erdbeeren wachsen bei uns im Freiland üblicherweise im Juni und Juli. Zwar kann man in vielen Geschäften auch im Dezember regionale Erdbeeren kaufen, aber sie reifen im Winter nicht auf natürliche Weise. Stattdessen werden sie in riesigen Gewächshäusern gezüchtet – unter enormem Stromverbrauch.

Warum Tomaten im Winter Klima-Killer sind

Besonders problematisch ist der Import von außersaisonalem Obst und Gemüse: Was bei uns im Winter nicht wächst, kommt meist aus mehr oder weniger fernen Ländern zu uns. Das  Lieblingsgemüse der Deutschen beispielsweise, die Tomate, kann hierzulande etwa von August bis Oktober geerntet werden. Vor allem im Winter stammt ein Großteil unserer Tomaten aus den Niederlanden, Spanien und Frankreich. Dort werden die Pflanzen in der Regel in Gewächshäusern gezüchtet. Diese nehmen riesige Flächen ein, werden unter hohem Energieverbrauch beheizt und verschärfen durch ihren hohen Wasserverbrauch in manchen Regionen die Wasserknappheit – etwa im Süden Spaniens. Vor den Küsten Südspaniens werden im Meer immer wieder große Plastikplanen gefunden, die von den Gewächshäusern stammen und die das Meeresökosystem gefährden. Dazu kommen die langen Transportwege nach Deutschland, welche riesige Mengen klimaschädliches CO2 freisetzen – und das ganz unnötig. Denn niemand braucht im Winter Tomaten oder Erdbeeren.

Auf welche Lebensmittel man als verantwortungsvoller Verbraucher im Winter verzichten sollte, erfahren Sie in unserer Bilderstrecke:

Was kann man im Winter essen?

Entgegen allen Vorurteilen gibt es auch im Winter eine breite Auswahl an regionalen Gemüsesorten, die sehr vielseitig verwendbar und keineswegs langweilig sind: Beispielsweise viele verschiedene Kohlarten, Wurzelgemüse wie Pastinaken, Rote Beete oder Topinambur, Lauch, Feldsalat und Champignons haben im Winter Saison; Herbstgemüse wie Karotten, Kartoffeln und Kürbisse gibt es als regionale Lagerware.

Bebilderte Saisonkalender für einzelne Winter-Monate findest du bei uns auch:

Saisonal einkaufen

Man bekommt zwar viele, aber längst nicht alle Wintergemüsearten in konventionellen Supermärkten. Zwar führen viele qualitätsbewusste Einzelhandelsketten (beispielweise Rewe, Edeka und Tegut) saisonale und regionale Produkte. Alte, heutzutage eher „ausgefallene“ Gemüsesorten wie zum Beispiel Steckrüben oder Schwarzwurzeln hat aber nicht jeder Supermarkt im Angebot.

Am einfachsten und sinnvollsten ist es, echte saisonale Lebensmittel bei regionalen Anbietern zu beziehen: Im Hofladen, auf dem Wochenmarkt, per Ökokiste vor die Haustür, als Mitglied einer solidarischen Landwirtschaft oder sonstiger lokaler Initiativen. Neben der Unterstützung der lokalen Wirtschaft und den kurzen Transportwegen gibt es dort noch einen angenehmen Nebeneffekt: In der Regel weiß der Anbieter genau über seine Produkte und die Anbaumethoden Bescheid.

Bio nicht vergessen

Auch bei saisonal-regionalen Lebensmitteln lohnt es sich, auf biologischen Anbau zu achten. Die regionale Erzeugung und Vermarktung schonen die Umwelt. Die Anbaumethoden können trotzdem problematisch sein, etwa wenn Kunstdünger oder Pestizide in großen Mengen eingesetzt werden. Unter Umweltschutz-Aspekten optimal sind also regional erzeugte, saisonale Bio-Produkte. Wer dafür keine geeignete Bezugsquelle vor Ort hat, muss selbst von Fall zu Fall entscheiden, welcher Aspekt der Nachhaltigkeit für ihn Priorität hat.

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