Richtig regional einkaufen

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Kaffee, der aus „Unserem Norden“ stammt, und Bananen-Nektar als das „Beste aus Bayern“. Verbraucher wollen mehr regionale Produkte, aber bekommen nicht selten Mogelpackungen verkauft. Utopia erklärt, worauf es bei echter Regionalität ankommt und wo man diese finden kann.

Die Entwicklungen am Lebensmittelmarkt sind absurd. Einerseits wollen Kunden mehr Regionalität, andererseits kaufen mehr Leute denn je ihr Essen in großen Supermarkt-Ketten und Discountern. Ein deutschlandweites Vertriebsnetz verträgt sich aber kaum mit regionalem Konsum – und darum ist bei regionalen Produkten häufig viel weniger Region drin, als versprochen wird.

Regional einkaufen: Mogelpackungen verhindern es

Ökotest deckte  mehrfach den Schwindel mit regionalen Lebensmitteln auf: 2011 hatte das Verbrauchermagazin 53 regionale Lebensmittel aus ganz Deutschland unter die Lupe genommen, lediglich 14 wurden von den Testern als „echtes Regionalprodukt“ befunden. 2016 waren 26 von 106 Produkten regional. Auch die Verbraucherzentrale kritisierte 2015 falsche Angaben bei der Herkunft. Kurz: Regional ist schwer.

Das Problem ist oft: Entweder werden die Lebensmittel zwar in der Herkunftsregion der Rohstoffe verarbeitet, dann aber bundesweit vermarktet. Oder sie wurden tatsächlich regional hergestellt und angeboten – aber die Rohstoffe kamen nicht aus der Region.

Zwei besonders drastische Beispiele: Unter den Labeln „Unser Norden“ und „Das Beste aus Bayern“ wurden Kaffee und Bananensaft als regionale Produkte im Supermarkt angeboten. Ist es mit dem Klimawandel etwa schon so weit, dass hierzulande solch exotische Pflanzen wachsen?

Was sind wirklich regionale Produkte?

Für Lebensmittelhersteller ist es einfach, mit regionalen Lebensmitteln zu schwindeln, weil nicht gesetzlich geregelt ist, was Regionalität bei Produkten bedeutet. Auch das Konzept „Region“ hat keine eindeutigen Grenzen.

Dennoch gibt es drei Haupt-Kriterien, auf die sich echte regionale Produkte stützen können:

  • geographische Grenzen,
  • Anteil der regionalen Zutaten und
  • regionale Wertschöpfung.

Geographische Grenzen

In Umfragen und bereits existierenden Initiativen erwies sich ein Radius von ca. 50 Kilometern als sinnvolle und praktikable Eingrenzung für regionale Produkte. Es kommt aber nicht auf eine starre Umzäunung an, sondern auf die Sicherstellung kurzer Produktionswege. Wenn z.B. ein Produzent seine Rohstoffe fünf Kilometer entfernt, schon leicht außerhalb des Umkreises, beziehen kann, dann ist das sinnvoller als der Einkauf bei einem Lieferanten am anderen Ende der Region.

Anteil der regionalen Zutaten

Oft benötigt ein eigentlich regionales Produkt ein paar Zutaten, die nicht örtlich zu beziehen sind. Ist beispielsweise ein Gewürzkäse nicht regional, nur weil einige der Gewürze nicht aus dem Umland stammen? Bei anderen Produkten wie Bier sind es gerade die prozentual schwachen Zutaten, die den Charakter ausmachen. In Anlehnung an das Bio-Siegel wäre ein Prozentsatz von 95% regionalen Erzeugnissen wünschenswert.

Regionale Wertschöpfung

Dass der oben erwähnte Kaffee kein regionales deutsches Produkt sein kann, sollte jedem einleuchten. Trotzdem versuchen Hersteller, damit zu argumentieren, dass die Ware beispielsweise in der Region verpackt oder zusammengestellt wurde. Ein wirklich regionales Produkt sollte hingegen von Anfang bis Ende regional sein, Regionalität betrifft den gesamten Wertschöpfungsprozess.

Super vs. Markt – richtig regional kaufen

Regional einkaufen ohne Supermarkt

Wer die Umwelt durch kurze Transportwege schonen und die lokale Wirtschaft stärken möchte, sollte sein Geld am besten im Hofladen oder auf dem guten alten Markt ausgeben. Dort steht im Zweifel auch der Erzeuger selbst Rede und Antwort zu Anbaumethoden und Qualität. Biokisten oder Initiativen für Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) sind weitere interessante und absolut empfehlenswerte Alternativen.

 Regional einkaufen im Supermarkt

Auch die regionalen Eigenmarken und Produkte regionaler Anbauverbände im qualitätsbewussten Einzelhandel (Rewe, Edeka, Tegut) sind zu empfehlen. Wer dort Obst und Gemüse aus der Region kauft, erhält üblicherweise das, was ihm die Verpackung verspricht. Die Verpackung selbst besteht allerdings häufig aus Plastik und das ist ein großes Manko regionaler Supermarkt-Produkte.

Aufpassen sollte man bei verarbeiteten Lebensmitteln mit mehreren Zutaten. Unterschiedliche Bestimmungen für den Anteil regionaler Zutaten erlauben es, Produkte als „regional“ anzubieten, deren Regionalität fragwürdig ist. Laut Trägerverein des Herkunftszeichens Regionalfenster, das Rewe, Edeka und Tegut seit 2014 als freiwilliges Siegel nutzen, muss die jeweilige Hauptzutat zwar zu 100 Prozent aus der Region kommen; wenn diese weniger als 51 Prozent am Produktgewicht ausmacht, müssen auch weitere Zutaten aus der Region stammen – aber nur bis insgesamt 51 Prozent erreicht sind.

Abzuraten ist von regionalen Marken in Discounter-Märkten wie Aldi und Lidl. Deren aggressive Preispolitik widerspricht der Idee einer nachhaltigen Regionalität und in den seltensten Fällen ist hier wirklich drin, was drauf steht.

Bio nicht vergessen

Mit Regionalität allein ist noch nicht alles gewonnen: Auch regionale Ware kann Pestizide enthalten oder chemisch gedüngt worden sein. Kurze Transportwege und regionale Vermarktung stehen nicht automatisch für umweltfreundliche und gesunde Produkte. Deswegen sollte man auch bei regionalen Produkten auf Bio achten.

Außerdem sollte man nicht vergessen, dass beispielsweise hierzulande im Frühjahr keine Äpfel reifen. Unser Saisonkalender hilft, Produkte nicht nur regional, sondern auch saisonal zu kaufen.

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(22) Kommentare

  1. Wie sieht das eigentlich mit diesem Stempel auf Milchprodukten aus? Ich achte immer darauf, dass auf den Milchprodukten, die ich kaufe, M-V oder S-H drauf steht (deswegen esse ich z.b. kaum noch Jogurt), aber ist dadurch gesichert, dass die Milch wirklich aus dem Norden kommt? Oder ist das nur der Molkereistandort? Das würde mich echt mal interessieren, weil Milchprodukte zu vergleichen ist dank dieser Stempel eine einfache Angelegenheit, und das bei einem Produkt, dass eine durchgängige Kühlkette benötigt!

  2. Regional mal anders rum: die meiste irische butter kommt aus sachsen, wie kann das sein?

    In der schweiz wurden die regeln jünst verschärft. So dürfen sich nur noch produkte mit dem swiss made siegel schmücken, deren zutaten zu mindestens zu 80% aus der schweiz kommen. Zwar gibt es einige ausnahmen, aber die meisten schweizer schokoladen fallen zukünftig durch.

    In katalonien gilt sogar die 99% grenze allerdings auf die mengen des gesamten betriebs gesehen.

    Regional oder lokal sollten auch bei uns sehr streng ausgelegt werden. Alles andere ist wieder einmal nur augen wischerei.

  3. Augenwischerei….Juppp..z.B. der Schwarzwälder Schinken aus Schweinen vom Münsterländer Güllegürtel.

    Und wo bitte wächst in der Schweiz der Kakao für die Schoki, die nicht durchfällt?
    Da ziehe ich hin…da muß es warm sein 😉

  4. Ein Regional-Siegel, würde einem „Locavore“ das Leben erheblich erleichtern. Toll wäre auch eine Kennzeichnungspflicht bzgl. der Herkunft aller Rohstoffe, somit könnte man dann als Verbraucher auch selbst entscheiden, ob das Produkt genügend regional erzeugte Bestandteile hat um als Local-Food durchzugehen.

  5. Wie stellst Du Dir das mit dem Regional-Siegel genau vor?
    Ein Bio-Produkt bleibt nun mal ein Bio-Produkt.
    Dagegen verliert ein Regional-Siegel seine Gültigkeit, sobald es eine bestimmte Distanz zurück legt.
    Ich fände eine strengere Kennzeichnungspflicht für a l l e Lebensmittel besser, als ein Siegel.
    Ein Siegel verursacht bürokratischen Überhang macht und das eigentlich bessere Produkt teurer.
    Das sollte nicht sein.

  6. Gefällt mir sehr gut, die Idee.

    Eine Frage der Definition: alle Produktbestandteile (incl. Verpackung) dürfen nicht mehr als x kilometer vom Ziel entfernt sein.

    Das bedeutet, dass das bei jedem Händler neu geprüft werden muss oder nur Händler in einem bestimmten PLZ-Bereich zugelassen sind. Wobei in Grenzregionen fairerweise auch die Unternehmen des Nachbarlandes berücksichtigt werden müssten, z.B. wäre Bayern vom Ruhrpott weiter weg als die Niederlande.

    Zertifizierung: da muss wer dem Produkt nachfahren und prüfen, ob das auch wirklich und in welchen Mengen hergestellt wird.

    Bei wirklich regionalen Händlern ist das aber einfacher, als es klingt. Ich denke da bspw. an http://lipz-schorle.de/pages/wo-entsteht-lipz.php

    Könnte evtl. auch in verteilter Arbeit gemacht werden (jeder checkt die Produkte in seiner Umgebung und gibt das dann in einer Datenbank ein, wo sich die Produktwege zusammenfügen) -> wie wir es hier schon mal diskutiert hatten: https://utopia.de/0/gruppen/1000-gute-nachrichten-menschen-und-151/diskussion/productway-eine-wiki-enzyklopaedie-auf-den-spuren-unseren-202273

  7. Ich möchte hiermit auf den Beitrag von Salka vom 04.4.13 antworten:
    Das mit dem Stempel der Milchprodukte ist kein Herkunftsnachweis und sagt nicht aus, woher die Milch stammt. Es gibt, wie du schin vermutet hast, nur den Molkereistandort an. Wenn auf der Milch also M-V steht, bedeutet dies nicht, daß die Milch aus Mecklenburg-Vorpommern stammt, sie könnte auch aus Polen, Niederlande, Bayern oder sonst wo her stammen. Wirklich sicher weiß man das nur, wenn man eine Molkerei kennt und weiß, daß diese nur die Milch von regionalen Bauern bezieht.
    Ein gutes Beispiel für so was ist die Irische Butter, die offenbar oft mit dem Herkunftsstempel Sachsen deklariert ist. Dies bedeutet, die Milch oder vielleicht sogar die Butter stammt aus Irland, aber sie wurde in Sachsen verpackt bzw. die Milch wurde in Sachsen zu Butter verarbeitet.

  8. Schaut doch mal, ob es in eurer Nähe eine Food Cooperation gibt!

    Food Cooperations sind Lebensmittelgenossenschaften, die sich bemühen, möglichst regional und bio einzukaufen und dabei den klassischen Einzelhandel und intransparenten Zwischenhandel auszuschließen.

    Man kann beitreten und vergünstigt einkaufen oder auch einfach so einkaufen – meistens wie in einem kleinen Tante Emma Laden, nur nachhaltiger.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Foodcoop

  9. mir kam grad die verrückte Idee, was wäre wenn ein Händler hier in Deutschland was aus Holland bezieht, drauf schreibt „Äpfel aus Holland“, aber der dort ansässige Händler bezog die selber von ganz woanders her weil er in seinem Land das vielleicht nicht angeben oder auszeichnen musste.
    Ist sowas möglich oder kann man wirklich sicher sein das wenn schon Ausland auf der Packung steht, das auch wirklich daher kommt.

    Gerade für Leute die in Grenznähe wohnen ist es ja dann noch regional wenn Grenzen überschritten werden.

  10. Die Theorie besagt, daß das Herkunftsland angegeben sein muß (bei frischem Obst und Gemüse).

    Das ist innerhalb der EU eine Pflichtdeklaration.
    Deshalb wird es den FAll „weil er in seinem Land das vielleicht nicht angeben oder auszeichnen musste“ nicht geben.

    In der Praxis wird es allerdings nicht immer so gehandhabt:
    http://www.lebensmittelklarheit.de/cps/rde/xchg/lebensmittelklarheit/hs.xsl/5282.htm
    http://www.vz-nrw.de/Herkunft-von-Obst-und-Gemuese-Kennzeichnung-oft-unklar

    Schwarze Schafe gibt es nun mal immer.

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