Offener Brief an George Clooney: Keine Werbung mehr für Nespresso

George Clooney
Foto: "TIFF 2017 George Clooney" von John Bauld unter CC-BY 2.0

George Clooney engagiert sich für Menschenrechte und Umweltschutz – gleichzeitig wirbt er seit Jahren für Nespresso, Nestlés Kaffeesystem mit Aluminiumkapseln. Zwei Seiten, die nicht zusammenpassen. Eine Organisation appelliert nun mit einem offenen Brief an den Hollywood-Star.

Er war mehrere Jahre UN-Botschafter des Friedens, unterstützt klimaverträgliche Technologien und engagierte sich bei der Greenpeace-Kampagne „Save the Arctic“ – George Clooney nutzt seine Popularität für viele gute Zwecke.

Gleichzeitig ist er aber auch das Werbegesicht von Nespresso und seit 2006 immer wieder in Werbespots im Fernsehen zu sehen. Das ist gleich aus mehreren Gründen problematisch.

George Clooney unterstützt Nestlé

Zum einen gehört Nespresso zu Nestlé – ein Konzern, der immer wieder in der Kritik steht. Die Vorwürfe gegen Nestlé sind vielfältig: Fragwürdige Wassergeschäfte, Kinderarbeit auf Kakaoplantagen oder irreführende Werbekampagnen sind nur einige Beispiele.

Zum anderen ist auch Nespresso als Produkt an sich kritisch: Nespresso ist ein Kaffeesystem, das Kaffeekapseln aus Aluminium nutzt. Die Wegwerf-Kapselsysteme vergeuden pro Jahr allein 7.800 Tonnen Aluminium für das Kapselblech. Acht Milliarden Kaffee-Kapseln pro Jahr landen im Müll, gehen dort verloren oder müssen aufwendig recycelt werden.

Offener Brief an Clooney

Die Kampagne „Clean Coffee Project“ will George Clooney auf den Widerspruch zwischen seinem wohltätigen Engagement und seinem Job als Werbegesicht von Nespresso aufmerksam machen – und hat deswegen einen offenen Brief an Clooney verfasst.

„Wir fragen uns, ob du dir eine Sekunde Zeit genommen hast, etwas über das Unternehmen zu recherchieren, bevor du [den Vertrag] unterschrieben hast. […] Wenn ja, wie kannst du von der Geschäftsstrategie nicht angewidert sein? Sie dreht sich um Korruption, Menschenrechtsverletzungen und Ausbeutung, Verschmutzung und Zerstörung der Umwelt“, heißt es in dem Schreiben.

„Falls du keine Ahnung hattest, für wen du da arbeitest, würden wir die Lücke gerne schließen. Oder google einfach. Denn wir denken, du solltest dein Engagement für Nespresso und Nestlé ernsthaft überdenken“, schließt der Brief ab.

Der gesamte Brief: „An open letter to George Clooney“ 

Weg von der Einweg-Mentalität

„Clean Coffee Project“ ist eine Kampagne des „Clean Ocean Project“. Die NGO organisiert regelmäßig Strandsäuberungs-Aktionen und klärt über die Verschmutzung der Meere auf. Ihre wichtigste Botschaft: Wir müssen weg von unserer Einweg- und Wegwerf-Mentalität. Kaum ein anderes Gerät symbolisiert diese Mentalität so deutlich, wie die Nespresso-Maschine mit ihren Einweg-Aluminiumkapseln.

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(6) Kommentare

  1. Solche pseudo-engagierten Stars wie Schorsch Clowni kann man sowieso nicht ernst nehmen. Den Nespresso-Schrott kaufe ich sowieso nicht, aber leider die ganze Familie meines Partners. Diese reagiert auch höchst pikiert, wenn ich dann keinen Kaffee bei ihnen trinken möchte oder eigene kompostierbare Kapseln mitbringe. Nicht mal bei den kleinen Schritten wollen die Leute mitmachen, von großen Veränderungen gar nicht zu sprechen.
    Eine coole Aktion, ein kleiner Versuch, vielleicht… etwas kleines zu bewirken. Viel Erfolg.

  2. An sich finde ich die Aktion gut – ABER:
    Wenn ich (persönlich) einen solchen Brief erhalten würde, dann ginge ich sofort in die Verteidigungshaltung!
    Gewaltfreie Kommunikation geht anders.
    Wenn man einen Menschen zum Umdenken bewegen will, muß man anders kommunizieren!
    Ihn zum Nachdenken zu bringen und ihm eine Chance zu geben seine Ansichten oder Entscheidungen zu überdenken wäre sinnvoll.
    Ihn dazu zu bringen den Verfasser des Briefes als beleidigend und nicht ernst zu nehmen abzutun wird eher das Gegenteil bewirken!

    Sorry – Hass verbreitet Hass – Mit „Liebe strafen“ wäre hier der zielführendere Ansatz!
    Ihn für seine anderen Aktivitäten zu loben und ihn zu fragen, ob er seine Entscheidung, die er vor Jahren vielleicht aus gutem Grund getroffen hat, überdenken würde…..das würde vielleicht was bewirken….

  3. @elfenfeuer: Absolut klasse geschrieben! …

    Mir fällt grundsätzlich auf, dass leider viele Menschen, die sich Nachhaltigkeit wünschen und diese auch leben, leider eine gewissen Grundaggression ausstrahlen, wenn man nicht exakt ihrer „neuen“ Meinung ist.

    Nachhaltigkeit hat vor Allem was mit Liebe zu tun, denn nur die ist nachhaltig 😉

  4. Ansich finde ich die Aktion gut, allerdings bezweifle ich, daß sie wirklich etwas am Kunsumverhalten der Leute ändern wird, selbst wenn er darauf eingeht.
    Sinnvoller wäre es da Nestlé und Co dazu aufzufordern, Mehrweglösungen wie z.B. wiederbefüllbare Kapseln oder Alternative Kapselhalter, die sich direkt mit z.B. Kaffeepulver befallen lassen, anzubieten, aber ich fürchte, das wird nie passieren, da könnten sie ja nicht mehr so viel Gewinn machen ?
    Der Endverbraucher hat es aber in der Hand, Kaffeekapseln nicht für den täglichen Gebrauch nutzen, sondern wirklich nur für Leute, die nur alle paar Monate einen Kaffee trinken – da wäre Filterkaffee tatsächlich schlimmer, wenn jedesmal nach 1-2 Tassen der Rest weggeschmissen werden muß, da die meist innen auch mit Alu beschichtet sind.
    Wenn möglich wiederbefüllbare Lösungen nutzen bzw. die alten Kapseln weitere nutzen.
    Ich habe z.B. eine Dolce Gusto Maschine, wo die Kapsel aufrecht drin steht und habe die Probekapsel nach der Benutzung geöffnet, von allem überflüssigen Plastik/Alu befreit bis nur noch die Kapsel an sich und das Sieb am Boden übrig waren.
    Dadrin lassen sich wunderbar Kaffeepulver, Kaffeepads etc. aufbrühen. Dauert Max. 10-20sek länger als mit Einwegkapseln (außer man benutzt ganze Bohnen und mahlt die vorher selber) und schmeckt auch ziemlich gut und schont die Umwelt.

  5. Wir haben leider auch jahrelang die Kapseln benutzt, bis wir endlich erkannten: das ist doch (auch) nicht gut, was wir hier tun!

    Also sind wir in einen Laden (Einzelhandel), der Espresso-Siebträger-Maschinen und Kaffee-Mühlen, sowie Fairtrade Kaffee verkauft. Wir sind in allen Belangen begeistert!

    Und: es ist in Summe deutlich günstiger, schmeckt überragend und das langsame Zelebrieren bei der Kaffee-Zubereitung wie ein Barista tut dem unruhigen Geist auch noch gut 🙂

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