Neue Studie: Aus Teebeuteln gelangen große Mengen Mikroplastik in den Tee

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de - jan mesaros

„Milliarden Teile Mikroplastik und Nanoplastik“ geben Teebeutel laut einer neuen Studie ans heiße Wasser ab. Allerdings: Das betrifft längst nicht alle Teebeutel.

Mikroplastik ist quasi überall: Nicht nur aus Kosmetik, auch beispielsweise aus Kleidung, Reifenabrieb und Lacken gelangt es in die Umwelt. Längst sind viele Lebensmittel – sogar Wasser – damit belastet. Bei jeder Mahlzeit nimmt der Mensch etwa 100 Plastikteile mit auf, fand eine Studie im Frühjahr heraus. Was die winzigen Kunststoffpartikel im Körper anrichten, weiß bisher keiner so genau.

Nun zeigt eine neue Studie von Forschern der McGill University in Montreal (Kanada): Auch Teebeutel geben Mikroplastik ab. Die Studie mit dem Titel „Plastic Teabags Release Billions of Microparticles and Nanoparticles into Tea“ erschien im Fachmagazin „Environmental Science & Technology“.

Die Wissenschaftler untersuchten dafür Teebeutel aus den Kunststoffen Nylon und PET – und stellten fest: Ein einziger Teebeutel kann beim Aufbrühen über elf Milliarden Mikroplastik-Partikel (definiert als Partikel zwischen 100 Nanometern und 5 Millimetern Größe) und über drei Milliarden Nanoplastik-Partikel (kleiner als 100 Nanometer) ans Wasser abgeben.

Insgesamt steckten nach den Experimenten der Forscher 16 Mikrogramm Kunststoff in einer Tasse Tee. Das ist mehr Plastik, als bisher in allen anderen Lebensmitteln gefunden wurde. Die hohe Temperatur des Wassers verstärkt den Effekt offenbar.

Plastik in Teebeuteln: ein Problem?

Nun muss man aber nicht in Panik ausbrechen: Die Mehrzahl der Teebeutel, die in Deutschland verkauft werden, bestehen überwiegend aus Papier. Manchen Teebeuteln wird allerdings ein geringer Anteil Kunststoff (meist PP) beigemischt, damit sie im Wasser nicht zerfallen – was mit diesem Kunststoffanteil im heißen Wasser passiert, ist bisher nicht bekannt.

Teebeutel
Welche Teebeutel enthalten überhaupt Plastik? (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Rudy and Peter Skitterians)

Auch gebe es Unterschiede zwischen den Beutelformen, schreibt die Schweizer Zeitung NZZ, die ausführlich über die neue Studie berichtet. Demnach wird der klassische Teebeutel (Zweikammerform) mit Schnur und Etikett daran meist plastikfrei genäht, während Teebeutel, die beispielsweise in Großbritannien meist ohne Schnur auskommen, rundherum mit einer Kunststoffnaht verklebt werden.

Und dann gibt es noch größere Pyramidenbeutel – in Deutschland häufig von teureren Premium-Marken verwendet. Sie bestehen in Europa oft aus Biokunststoff (PLA). In Kanada, wo die Untersuchungen für die neue Studie stattfanden, ist das offenbar anders – die untersuchten Teebeutel bestanden aus Nylon und PET. Teebeutel aus diesen Materialien sind in Deutschland offenbar kaum auf dem Markt.

Welchen Tee kann man jetzt noch kaufen?

Der kleine Blog „fairlis“ hat sich Anfang 2019 die Mühe gemacht, viele Teehersteller anzuschreiben, um sie nach den Materialen der Teebeutel zu befragen. Das Ergebnis: Viele sind komplett plastikfrei, viele verwenden Biokunststoffe, einige setzen jedoch auch kleine Mengen herkömmlichen Kunststoff ein. Einzelheiten zu den befragten Marken kannst du auf fairlis.de nachlesen.

Mit Löwenzahnwurzel kannst du Tee oder auch Essig herstellen
Offener Tee im Teesieb ist garantiert plastikfrei. (Foto: CC0 / Pixabay / Couleur)

Unsere Tipps:

  • Bei schnurlosen Teebeuteln in egal welcher Form ist Vorsicht geboten: Sie können (vor allem in der Klebenaht) Kunststoff enthalten.
  • Klassische Zweikammerbeutel können einen geringen Kunststoffanteil enthalten – am besten nachlesen, nachfragen und auf jeden Fall Bio kaufen.
  • PukkaLebensbaum, Alnatura, Yogi-Tea, Meßmer und Teekampagne beispielsweise bieten vollständig plastikfreie und abbaubare Teebeutel.
  • Auf jeden Fall plastikfrei sind lose Teeblätter. Die kann man selbst in wiederverwendbaren Tee-Sieben aufgießen und spart so auch (Papier-)Müll ein. Wer den Tee lose kauft und in wiederverwendbare Behälter abfüllt, etwa im Unverpackt-Laden, hat gar keinen Verpackungsmüll – und kein Mikroplastik-Problem.

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