Ernährung bei Gicht: Das solltest du beachten

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Die richtige Ernährung bei Gicht ist gar nicht so kompliziert – du braucht nur aus der Vielfalt der Obst- und Gemüsekiste schöpfen. Was du sonst noch wissen solltest, erfährst du hier.

Ernährung und Gicht – beides hängt eng zusammen

Gicht, das sind geschwollenen Gelenke, bei denen sogar die leichteste Berührung schmerzen kann. Typisch für Gicht ist, dass die Beschwerden nicht ständig anhalten, sondern in Schüben auftreten. Oftmals sind die Gichtanfälle auch von heftigem Fieber begleitet und die Betroffenen können sich während des Anfalls manchmal kaum noch bewegen. Bei einem akuten Gichtanfall brauchst du Medikamente und ärztliche Hilfe.

Die Auslöser für solche Anfälle hängen oft mit der Ernährung zusammen. Schon Medizingelehrten in der Antike war aufgefallen, dass Gichtanfälle oft nach Festmahlen auftraten, bei denen übermäßig Alkohol floss und viele Fleisch- und Geflügelgerichtn auf dem Tisch standen. So galt die Gicht lange als Krankheit der Reichen, die sich den „Luxus“ von viel Fleisch und Alkohol leisten konnten.

Ernährung bei Gicht – vorsichtig mit Purinen in den Lebensmitteln

Bei Gicht sind Bohnen und Hülsenfrüchte nicht mehr strikt verboten.
Bei Gicht sind Bohnen und Hülsenfrüchte nicht mehr strikt verboten. (Foto: CC0/pixabay/vudoan20170)

Purine sind eine Stoffgruppe, die beim natürlichen Abbau von Zellen entstehen. Purine hat also jeder im Körper, da sich die Zellen ständig erneuern. Dein Körper wird normalerweise mit den Purinen fertig, indem er sie in Harnsäure umwandelt und über die Nieren ausscheidet. Wenn du jedoch an Gicht erkrankt bist, ist diese Stoffwechselfunktion gestört. Dein Körper kommt mit zu viel Harnsäure nicht klar und sie lagert sich dann in winzigen Kristallen in den Gelenken ab. Meistens sind davon die Hände, Füße oder Knie betroffen.

Früher wurde aus diesem Grund generell von allen purin-haltigen Lebensmitteln abgeraten. Das ist heute anders: Die Apotheken Umschau zitiert Experten, die bei Lebensmitteln auf das gesamte Paket an gesunden Inhaltsstoffen achten, anstatt nur auf den reinen Purin-Gehalt. Da manche Inhaltsstoffe die Wirkung der Purine teilweise ausgleichen können, sollen manche purin-haltigen Lebensmittel in Maßen unbedenklich sein.

Konkret geht es um folgende purin-haltige Lebensmittel:

Gemüse:

  • In Hülsenfrüchten, Spargel oder Spinat liegt der Purin-Gehalt höher als in anderen Gemüsesorten.
  • Allerdings enthalten beispielsweise Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Bohnen gut verträgliche Proteine, die sich bei Gicht wiederum günstig auswirken. In Linsen sind die Purine stärker konzentriert, verwende sie daher eher sparsam.
  • Spargel wirkt harntreibend und unterstützt die Niere in ihrer Arbeit, die Harnsäure auszuscheiden. Einige Spargelmahlzeiten kannst du dir deshalb erlauben, wenn du insgesamt wenig Purine isst.
  • Studien stellten fest, dass purin-haltige Gemüse in Maßen keinen Gichtanfall auslösen.

Fisch und Meerestiere:

  • Krebstiere, Ölsardinen, Sardellen und Heringe enthalten viel Purine.
  • Laut Deutscher Apotheker Zeitung wollen Experten diese Fische jedoch nicht grundsätzlich aus der Ernährung für Gichtpatienten ausschließen, da sie neben Purinen viele gesunde Inhaltsstoffe enthalten. So enthält fettreicher Fisch wie Lachs, Makrele oder eben auch Hering die gesunden Omega-3-Fettsäuren. Die Fettsäuren hemmen Entzündungen und können helfen, dass der Gichtanfall schneller abheilt.
  • Achte bei Fisch darauf, dass er artgerecht gefangen wurde. Einige Fischarten solltest du komplett meiden, weil sie stark überfischt sind. Mehr dazu: 5 Gründe, warum wir lieber keinen Fisch mehr essen sollten. Es gibt übrigens auch gute pflanzliche Quellen für Omega-3-Fettsäuren, beispielsweise Leinöl.

Ernährung bei Gicht – diesen purin-haltigen Lebensmitteln solltest du aus dem Weg gehen

Bei Gicht ist mageres Filet besser zu vertragen als Fleisch mit Haut oder Schwarte.
Bei Gicht ist mageres Filet besser zu vertragen als Fleisch mit Haut oder Schwarte. (Foto: CC0/pixabay/RitaE)

Diese purin-haltigen Lebensmittel solltest du von deiner Einkaufsliste weitestgehend streichen:

Fleisch und Geflügel:

  • Purine sammeln sich verstärkt in den Innereien und in der Haut von Tieren. So ist beispielsweise der bayrischen Schweinsbraten mit Schwarte voller Purine, oder auch das Grillhähnchen.
  • Meide Wurst, bei der Innereien oder Haut verarbeitet sein könnte.
  • Dagegen ist ein mageres Filetstück oder Geflügel ohne Haut besser verträglich.

Bier:

  • Die Hefe im Bier enthält viele Purine, daher solltest du sowohl auf alkoholhaltiges als auch auf alkoholfreies Bier verzichten.

Auch diese Lebensmittel solltest du bei Gicht besser meiden

Eiscreme mit industriellem Fructosesirup kann Gicht auslösen.
Eiscreme mit industriellem Fructosesirup kann Gicht auslösen. (Foto: CC0/pixabayLevoqd)

Der natürliche Engpass für die Harnsäure sind die Nieren im Körper. Wird die Funktion der Nieren noch zusätzlich beeinträchtigt, staut sich ebenfalls Harnsäure im Blut und ein Gichtanfall kann folgen.

Diese Stoffe solltest du meiden, da sie die Funktion der Nieren beeinträchtigen:

Alkohol:

  • Schon lange ist bekannt, dass Alkohol, vor allem in hochprozentigen Drinks, Gichtanfälle hervorruft. Die Deutsche Apotheker Zeitung erläutert, dass der Körper Alkohol in Aceton umwandelt, das wiederum ein Nebenprodukt der Purine ist. Zugleich hemmt der Alkohol noch die normale Nierenfunktion.

Fructose:

  • Nach neueren Forschungsergebnissen wirkt auch Fructose auf die Niere und kann so bei hohen Harnsäurewerten mit für einen Gichtanfall verantwortlich sein. Die Experten in der Apotheken Umschau erläutern, dass es jedoch nicht heißen soll, ganz auf Obst zu verzichten. Im Gegenteil: Die Vitamine und anderen Nährstoffe im Obst helfen Gichtkranken. Suche dir dennoch Obstsorten mit weniger Fruchtzucker aus, wie zum Beispiel Beerenobst.
  • Die Forschung hat als Auslöser für Gicht viel mehr den industriellen Fructosesirup oder Isoglucose im Blick. Der Sirup lässt sich günstig herstellen und süßt viele Lebensmittel wie Softdrinks oder Multivitaminsäfte – du findest ihn aber auch in Speiseeis, Fruchtjoghurts oder Müsliriegeln. Ebenso solltest du bei Fertiggerichten und Soßen wie Ketchup auf die Inhaltsangaben achten, hier versteckt sich meist reichlich Zucker.

 

 

Ernährung bei Gicht – am besten bunt mit Obst und Gemüse

Bei Gicht hilft eine abwechsungsreiche Ernährung.
Bei Gicht hilft eine abwechsungsreiche Ernährung. (Foto: CC0/pixabay/JillWellington)

Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten ist in den meisten Fällen purin-arm. Wie oben beschrieben, musst du Purine nicht vollständig meiden – viel mehr kommt es auf die Menge an und auf die Lebensmittel, in denen sie stecken.

Mit diesen Tipps ernährst du dich gesund und purin-arm:

  • Ernähre dich ausgewogen mit viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und Müsli.
  • Magermilch und ungesüßter Bio-Naturjoghurt statt gesüßter Fruchtjoghurts: So meidest du Fructose, die Gichtanfälle begünstigen kann.
  • Ab und zu darf etwas Fisch auf dem Tisch stehen, dagegen solltest du mit Fleisch sparsam umgehen.
  • Trinke ausreichend. Empfohlen sind bis zu zwei Liter stilles Wasser sowie ungesüßter Kräuter– oder Früchtetee. Kaufe Tee in biologischer Qualität, um Rückstände von Chemikalien zu vermeiden.
  • Die Deutsche Apotheker Zeitung rät zu einigen Tassen Kaffee am Tag und berichtet, dass sich Kaffee (auch entkoffeinierter Kaffee) günstig bei Gicht auswirkt.

Bei all deinen Mahlzeiten solltest du trotzdem nicht den Gehalt an Purinen aus dem Blick verlieren.

  • Netdoktor gibt an, dass in der Regel eine Purin-Menge um die 200 Milligramm am Tag verträglich für Gichtpatienten ist. Jedoch kommt es immer auf den eigenen Harnsäurewert sowie auf Größe und Gewicht an. Stimme dich daher mit einem Arzt über die für dich verträgliche Menge an Purin ab.
  • Die Deutsche Gicht-Liga stellt online oder über eine App einen Purin-Rechner zur Verfügung, mit dem du den Purin-Gehalt deiner Mahlzeiten berechnen kannst.

Du solltest dein Normalgewicht halten, sodass deine Körper in einer natürlichen Balance ist und besser mit den Purinen in der Nahrung umgehen kann. Außerdem belastet zusätzliches Gewicht die Gelenke.

Ernährung bei Gicht: Mit diesen Lebensmitteln liegst du richtig

Ungesüßte, fettarme Milchprodukte helfen, Gichtanfällen vorzubeugen.
Ungesüßte, fettarme Milchprodukte helfen, Gichtanfällen vorzubeugen. (Foto: CC0/pixabay/Imoflow)

Es gibt Lebensmittel, die dir helfen, einen Gichtanfall zu vermeiden. Hier darfst du ruhig zugreifen. Die Apotheken Umschau empfiehlt:

Vitamin C in Obst und Gemüse:

  • Vitamin C stärkt das Immunsystem. Dadurch kann dein Körper besser auf die Entzündung im Gelenk reagieren. Denn bei Gicht startet das Immunsystem die Abwehr gegen die Ablagerungen in den Gelenken und der Körper reagiert mit Entzündungen und Fieber. Beeren wie Acerola oder Sanddorn sind reich an Vitamin C und haben weitere entzündungshemmende Eigenschaften. Auch heimische Gemüse wie Grünkohl oder Brokkoli enthalten reichlich Vitamin C.
  • Laut Studien senkt Vitamin C in höheren Dosierungen (ab 500 Milligramm) das Risiko eines Gichtanfalls. Diese Dosierungen sind jedoch nur über Zusatzmittel zur Ernährung zu erreichen. Dein Arzt oder deine Ärztin kann dir dazu Auskunft geben.

Milchprodukte:

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