EU stimmt für Einweg-Plastik-Verbot: Diese 9 Dinge soll es in Zukunft nicht mehr geben

Plastikverbot EU
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Die EU hat abgestimmt: Zum Schutz der Umwelt soll die Plastikflut künftig reduziert werden – bestimmte Produkte aus Einweg-Plastik sollen sogar ganz verboten werden.

Bereits im Mai hatte die EU-Kommission einen Vorschlag zu einem Einweg-Plastik-Verbot vorgelegt. Darin enthalten sind auch zahlreiche Ideen, wie die Plastikflut in Europa eingedämmt werden soll.

EU-Kommission will gegen Plastikflut vorgehen

Am heutigen Mittwoch hat die EU nun für ein Einweg-Plastik-Verbot gestimmt. Dieses gilt vor allem für Wegwerf-Plastikprodukte, die nur einmal benutzt werden und für die es aus Sicht der EU-Kommission bereits Alternativen gibt. Wir alle kennen sie aus unserem Alltag:

  1. Trinkhalme
  2. Plastikbesteck
  3. Plastikteller
  4. Luftballonstäbe
  5. Rührstäbchen für den Kaffee
  6. Dünne Plastiktüten
  7. Wattestäbchen
  8. Verpackungen aus erweitertem Polystyrol: Aufgeschäumte Kunststoffe, wie man sie zum Beispiel von den weißen Boxen für Essen zum Mitnehmen kennt.
  9. Oxo-abbaubares Plastik: Herkömmliches Plastik, das sich, laut Herstellern, später selbst zersetzen soll. Damit dieser Zerfallsprozess in Gang gesetzt wird, werden den Materialien Metalle beigemischt.
Supermarkt Plastik Plastiktüte Obst Gemüse Alnatura Knotenbeutel
Auch die dünnen Plastik-Tüten für Obst und Gemüse im Supermarkt sollen abgeschafft werden. (Foto: © patramansky / Fotolia.de)

Zudem sollen weitere Maßnahmen gegen Plastikmüll auf den Weg gebracht werden:

  • Plastikprodukte, für die es noch keine guten Alternativen gibt, sollen reduziert werden. Das gilt vor allem für Lebensmittelbehälter wie Obst- und Gemüseverpackungen, Dessert- und Eisboxen oder Boxen für Sandwiches.
  • Bis 2025 sollen alle Mitgliedstaaten mindestens 90 Prozent aller Plastikflaschen fürs Recycling sammeln –etwa mit Hilfe eines Einwegpfands wie in Deutschland.
  • Laut dem Vorschlag sollen plastikhaltige Zigarettenfilter bis 2030 um 80 Prozent reduziert werden. Ein einziger kunststoffhaltiger Zigarettenstummel kann bis zu 1.000 Liter Wasser verschmutzen.
  • Hersteller von Einwegverpackungen und Fischernetzen mit Plastikkomponenten sollen sich künftig an den Kosten für das Säubern der Umwelt beteiligen. Bisher werden die Kosten vom Steuerzahler und der Tourismusbranche getragen.
  • Laut EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger ist sogar eine Plastikmüllabgabe im Gespräch: Demnach soll jeder Mitgliedstaat pro Kilogramm nicht recyceltem Plastikmüll eine Abgabe von 80 Cent zahlen. Das sagte er im Mai gegenüber der Berliner Morgenpost.

Wie geht es nach der EU-Abstimmung weiter?

Das Einweg-Plastikverbot soll in Deutschland greifen, sobald die EU-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt ist, das dürfte spätestens 2021 der Fall sein.

Vorher müssen sich EU-Kommission, Europaparlament und die Mitgliedstaaten auf den endgültigen Gesetzestext einigen. Das geschieht in den kommenden Monaten im sogenannten Trilog-Verfahren.

Laut Tagesspiegel geht man in Brüssel davon aus, dass eine Einigung im kommenden Jahr stehen wird. Anschließend wird das Gesetz in den Mitgliedstaaten umgesetzt, wofür eine zweijährige Frist gilt.

Plastikmüll ist die größte Bedrohung für die Weltmeere.
Plastikmüll ist praktisch überall. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / hhach)

Umweltschützern geht das Plastikverbot nicht weit genug

Die Plastikverschmutzung ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit. Das Plastikverbot der EU ist ein wichtiger Schritt, der zeigt, dass ein Bewusstsein für das Problem da ist. Umweltschützern gehen die Maßnahmen allerdings nicht weit genug.

Aus der Sicht von Greenpeace ist die Definition von Einwegplastik viel zu eng und eröffne so ein Schlupfloch für die Plastikindustrie: „Die Konzerne könnten nach aktuellem Vorschlag die Reduktionsziele schlicht ignorieren, wenn sie ihre Produkte, sei es ein Wegwerf-Plastikbecher oder ein Strohhalm, als wiederverwendbar kennzeichnen,“ wird Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack im Tagesspiegel zitiert.

Plastikhersteller hingegen warnen vor den Folgen eines zu schnell durchgepeitschten Plastikverbots: Das könnten laut Verpackungsverband pack2go Einbußen im Lebensmittel-Sektor und Probleme bei der Lebensmittelhygiene sein, schreibt die Berliner Morgenpost.

Plastikmüll ist nahezu überall

Seit den 50er Jahren hat die Menschheit mehr als acht Milliarden Tonnen Plastik produziert. Kein Wunder also, dass der Kunststoffmüll praktisch überall zu finden ist: In der Umwelt, in den Meeren, in den Mägen von Tieren und sogar in menschlichen Stuhlproben wurde schon Mikroplastik gefunden.

Seevögel wie diser Albatross fressen Plastikteile und verenden daran.
Tiere verwechseln Plastik mit Nahrung und verenden daran. (Foto: Albatross at Midway Atoll Refuge von Chris Jordan unter CC BY 2.0)

Trotzdem werden weltweit noch immer enorme Mengen an Plastik produziert, benutzt – und gleich wieder weggeworfen. Plastik ist biologisch nicht abbaubar und zerfällt nur sehr langsam. Damit wird der Kunststoffmüll zur Gefahr für Vögel, Fische und andere Tiere, die sich im Plastik verfangen oder es mit Nahrung verwechseln – und daran verenden.

Und auch für unsere Gesundheit kann Plastik zur Gefahr werden: Manche der im Plastik enthaltenen Schadstoffe sind als krebserregend bekannt, andere greifen in den Hormonhaushalt ein und reduzieren unsere Vermehrungsfähigkeit.

Plastikmüll: Jeder einzelne kann etwas tun

Angesichts unseres Plastik-Problems ist es höchste Zeit, dass nun ein Einwegplastik-Verbot auf EU-Ebene kommt. Das Gesetz ist eine richtige und wichtige Maßnahme. Dennoch wird es viele Produkte aus Plastik weiterhin geben. Es bleibt abzuwarten, wie weit das Gesetz tatsächlich greift.

Vielen Menschen ist das Plastik-Problem längst bewusst. Sie setzen sich deshalb aktiv gegen die Verschmutzung unserer Umwelt durch Plastikmüll ein. Das Projekt The Ocean Cleanup etwa will unsere Meere vom Plastik befreien. Die Zero-Waste-Bewegung zeigt wie ein Leben ohne Plastik geht und viele Supermärkte wie Aldi, Real, Rewe oder Penny haben die Plastiktüten bereits abgeschafft.

Auch jeder von uns kann schon jetzt etwas gegen Plastikmüll tun: In verpackungsfreien Läden kannst du müllfrei einkaufen. Weitere Tipps findest du in unserem Artikel 7 einfache Schritte zu weniger Plastikmüll und in unserer Bilderstrecke: Leben ohne Plastik: diese 14 einfachen Tipps kann jeder umsetzen. Außerdem zeigen wir 17 praktische Tipps für weniger Plastik im Bad und  14 plastikfreie Produkte für die Küche.

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(2) Kommentare

  1. Während die EU den richtigen Weg geht, wird in gerade in Asien noch viel zu viel Plastik konsumiert, welches auch noch oft im Meer landet.

    In Mumbai bin ich mit dem Boot auf die Elefanteninsel gefahren. Auf dem Boot gab es einen Mülleimer. Doch kaum auf der Insel angekommen, konnte ich beobachten wie auf einem anderen Boot die Mülltonne einfach ins Meer ausgeleert wurde. Die ganze Küste der Insel war voll mit Plastikmüll.

    Solange sich hier nichts ändert, sind viele Maßnahmen nur Tropfen auf dem heißen Stein.

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