Krebserregende Stoffe in Lippenpflegestiften gefunden

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In herkömmlichen Lippenpflegestiften wie Labello oder Blistex steckt jede Menge Erdöl – und damit auch gesundheitsschädliche Substanzen. Das fand das NDR-Magazin „Markt“ in einer Laboranalyse heraus.

In den meisten konventionellen Kosmetik- und Pflegeprodukten werden erdölbasierte Stoffe (Mineralöl) eingesetzt – sie sind billiger als pflanzliche Fette. In Lippenpflegestiften der Marken Labello, Blistex und Carmex wurden nun aber die gefährlichen Mineralölbestandteile „aromatische Kohlenwasserstoffe“ (MOAH) und „gesättigte Kohlenwasserstoffe“ (MOSH) gefunden, so das NDR-Magazin „Markt“. Die sogenannten MOAH stehen im Verdacht, krebserregend und erbgutverändernd zu sein. MOSH können sich in den Organen ablagern; welche Auswirkungen sie auf die Gesundheit haben, ist bisher ungeklärt.

Bereits im Mai fand die Stiftung Warentest die gefährlichen Mineralölbestandteile in Lippenpflegeprodukten. Ganz offensichtlich hat das aber die Hersteller bisher nicht veranlasst, etwas zu ändern. Für die Inhaltsstoffe von Lippenpflegestiften gelten zwar strenge Vorgaben, Mineralöl – und damit auch MOAH und MOSH – ist aber erlaubt.

Dabei nehmen wir einen Großteil der fettigen Substanz, die wir uns auf die Lippen schmieren, wie ein Lebensmittel auf. „Letztlich muss man einfach sagen: solche Lippenstifte werden gegessen, also muss das eigentlich essbares Material sein“, sagt der Schweizer Chemiker Dr. Konrad Grob, einer der führenden europäischen Mineralöl-Experten, in der NDR-Sendung. Bei einer durchschnittlichen Benutzung der Produkte essen wir so pro Jahr vier ganze Lippenpflegestifte – inklusive der bedenklichen MOAH und MOSH.

So ungesund sind Labello & Co.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft aromatische Mineralöl-Kohlenwasserstoffe (MOAH) als „genotoxische Karzinogene“ ein (d.h. sie können „sowohl die DNA, das genetische Zellmaterial, schädigen als auch Krebs auslösen“). In Lebensmitteln, da sind sich die Wissenschaftler einig, sollten sie nicht enthalten sein. Da aber bekannt ist, dass Lippenpflegeprodukte wie Lebensmittel in den Körper aufgenommen werden, sollten auch sie vernünftigerweise frei von den schädlichen Stoffen sein. Denn: auch kleinste Mengen krebserregender Substanzen bleiben krebserregend; sie sollten daher am besten ganz vermieden werden.

Wenn MOSH in den Körper gelangen, reichern sie sich dort an: wir können sie offenbar nicht wieder ausscheiden. Vor allem in der Leber, der Milz und den Lymphknoten lagern sie sich ab. Zwar ist bisher nicht abschließend geklärt, wie sie sich auf unsere Gesundheit auswirken. Klar ist aber: Viele Menschen haben bereits mehr als 5 Gramm MOSH im Körper. Dr. Grob vermutet, diese Ablagerungen könnten die Funktion der Organe stören.

Da sowieso schon tagtäglich bedenkliche Kohlenwasserstoffe in unseren Körper gelangen – etwa durch verunreinigte Lebensmittel–, sollten wir über Kosmetika nicht noch mehr aufnehmen. Dr. Grob jedoch hat berechnet, dass bei täglicher Anwendung bereits 5 Prozent mineralölbasierter Inhaltsstoffe in Lippenpflegestiften die Belastung mit den gefährlichen Kohlenwasserstoffen verdoppeln. In den getesteten Produkten fand das Labor deutlich höhere Werte.

Die ganze Sendung kann man hier beim NRD online ansehen.

Utopia meint: Auch wenn es keine endgültig gesicherten Erkenntnisse über gesundheitsgefährdende Wirkungen gibt: Wo sich ein Risiko leicht vermeiden lässt, sollte man das auch tun. In zertifizierten Naturkosmetik-Produkten sind erdölbasierte Bestandteile grundsätzlich nicht erlaubt.

Die Alternativen: Viele Naturkosmetik-Hersteller haben Lippenpflegestifte im Sortiment. Diese basieren anstatt auf Erdöl auf pflanzlichen Zutaten und enthalten somit keine MOAH oder MOSH. Einige der Bio-Lippenpflegestifte bekommt man ganz einfach in Drogeriemärkten wie DM und Rossmann: zum Beispiel von den Drogeriemarkt-Eigenmarken (Alverde, Alterra usw.), von Lavera oder Weleda.

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(3) Kommentare

  1. Hallo Stefanie,
    Nein, da MOAH und MOSH lediglich Bestandteile der Zutat Mineralöl sind, werden sie nicht deklariert. Ob Mineralöl enthalten ist erkennst du z.B. an diesen Begriffen auf der Inhaltsstoffliste: Ceresin, Diisopropyl Adipate, Mineral Spirits, Paraffinum Liquidum, Isoparaffin, (Hydrogenated) Microcrystaline Wax, Isohexadecane, Paraffin, Synthetic Wax, Mineral Oil, Petrolatum, Vaseline, Paraffinum Subliquidum, Cera Microcristallina, Microcrystalline Wax, Ozokerit.
    Wenn du unsicher bist, hilft dir auch z.B. Codecheck.info weiter.

  2. Schön, dass das NDR Magazin das jetzt heraus gefunden hat. Noch schöner, dass es endlich in die Medien gelangt und immer mehr bewusste Verbraucher erreicht.
    Seit 10 Jahren halte ich Vorträge über bedenkliche Inhaltsstoffe in Körperpflegemittel und täglich begegne ich Menschen, die sich noch nie darüber Gedanken gemacht haben.
    Es gibt noch so viel zu tun!!!