„Ausverkauft“! Mehr und mehr Stromlieferanten lehnen Neukunden ab – aber nicht diese vier

Stromanbieter Neukundenstopp - Wo der Stromwechsel noch möglich ist
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Stromanbieter melden Insolvenz an, melden sich aus Vergleichsportalen ab, wollen keine neuen Kunden annehmen. Selbst einige Ökostromanbieter melden „ausverkauft“ dort, wo sonst der Tarifrechner Neukund:innen lockt. Doch wohin können wir noch wechseln, wenn wir zugleich das Klima schützen wollen? Utopia hat nachgefragt – und vier Empfehlungen gegen Neukunden-Stopp.

Die Energiemärkte seien in einer „historischen Ausnahmesituation“, man müsse das „Ökostromangebot vorübergehend aussetzen“, weil „beschaffte Strommengen ausverkauft“ seien und „höhere Beschaffungskosten für Neukund:innen“ nach sich ziehen – so melden sich viele Stromanbieter derzeit auf ihren Webseiten.

Und das hat Gründe: Nachdem nämlich bald ein Dutzend Stromanbieter insolvent sind, meist wegen deren schlechter Beschaffungsstrategien, fluten die dort abservierten Kund:innen nun die anderen Anbieter – und treffen zunehmend auf verschlossene Türen der anderen Anbieter, die soviel Strom gar nicht haben.

Kein Riesenproblem, sie könnten ja Strom an den Börsen kaufen. Dort aber steigen die Preise seit Monaten. Das führt zu Strompreisen für Neukunden von derzeit mindestens 32,7 Cent/kWh (bei den billigsten Atom-Kohle-Anbietern; zum Vergleich: die Durchschnittspreise lagen 2010 bei ca. 23 Cent/kWh, 2000 ca. 13 Cent/kWh), teilweise auch das Doppelte – was zum Teil aber nur symbolisch gemeint ist, nach dem Motto: ‚Wir nehmen dich, aber wir können derzeit keine Preise garantieren, also schluck die Strompreis-Kröte – oder geh woanders hin.‘

Gilt das alles auch für Ökostrom? Zum Teil, zum Teil spielen hier andere Faktoren eine Rolle. Utopia hat deshalb bei den von uns empfohlenen Anbietern für Ökostrom nachgefragt, ob sie Neukunden akzeptieren, also der Wechsel zu diesem Ökostromanbieter derzeit möglich ist.

Zu diesen Stromanbietern können Neukunden wechseln

Aktuell (Stand 12. Januar 2022) können wir jetzt ganz konkret 4 Anbieter für einen Ökostromwechsel empfehlen, die auch noch keinen Neukunden-Stopp vermelden.

Hinweis: Für diese vier haben wir nun auch einen aktuellen Preisvergleich durchgeführt, lies dazu Strompreise vergleichen: Das sind die günstigsten Öko-Stromanbieter.

Bürgerwerke Bürgerstrom

„Die Bürgerwerke nehmen weiterhin Neukund:innen an“, so Christopher Holzem von den Bürgerwerken. Das gilt indes nur für Ökostrom – die BürgerÖkogas-Tarife mit 5 % und 10 % Biogas seien derzeit nicht buchbar, hingegen ist BürgerÖkogas 100 % weiterhin abschließbar (und sowieso die Empfehlung von Utopia). Man sehe viel Bewegung im Markt und „dass sehr viele Versorger insbesondere im Gasbereich ihr Angebot eingeschränkt und sich zum Beispiel aus Tarifvergleichsportalen zurückgezogen haben. Das erhöht den Zustrom an Kund:innen bei allen Versorgern, die weiterhin Angebote haben“.

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Fair Trade Power Fair Strom

„Ja, wir nehmen weiterhin Stromkunden an“, so Christian Spitzner von Fair Trade Power. Ein bisschen Einsicht gab er uns in die Preisgestaltung: „Wir mussten zwar unsere Preise erhöhen. Da sich allerdings die Preissituation auch bei den konventionellen Anbietern geändert hat, kommen weiterhin Neukunden zu uns.“ Auch für die Bestandskunden musste man die Preise anheben, aber: „Da wir aber für unsere Bestandskunden für das Jahr 2022 kontinuierlich beschafft haben, war die Preisanpassung für Bestandskunden vergleichsweise moderat.“

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Naturstrom

„Klar, wir nehmen Neukunden an!“, sagte uns Dr. Tim Loppe von Naturstrom, und das sogar mit Preisgarantie bis Ende 2022, allerdings wie überall natürlich teurer als bisher. Dort sieht man derzeit übrigens weder einen großen Ansturm, noch geringeres Interesse an Ökostrom – Kunden-Fluktuationen lägen derzeit „im Rahmen des Üblichen“.

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Polarstern Wirklich Ökostrom

Auch Polarstern gibt ausdrücklich an, noch Neukunden anzunehmen. Abwarten will man dort, was die weitere Entwicklung angeht: „Es gab eine starke Wechselaktivität, die langsam wieder abflacht. Oftmals gab es zu Jahresbeginn wieder einen neuen Impuls und die Wechsel zogen erneut an, ob das dieses Mal wieder so eintrifft, bleibt abzuwarten.“, so Anna Zipse von Polarstern.

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Lies mehr dazu auch hier:

Natürlich ist für viele Kund:innen der Stromanbieterwechsel auch eine Preisfrage: Wenn für dich vor allem der Preis das Kriterium ist, das ein Ökostromanbieter erfüllen muss,

Ökostromtarife finden

Strompreise & Neukunden: Warum auch Anbieter dichtmachen

Bei EWS Schönau heisst es schon auf der Website „Die europäischen Energiemärkte befinden sich derzeit in einer historischen Ausnahmesituation … Schweren Herzens mussten wir deshalb die Entscheidung treffen, unser Ökostromangebot für Neukundinnen und Neukunden vorübergehend auszusetzen.“

Ein ähnliches Bild Bei Green Planet Energy (vormals: Greenpeace Energy), auch dort will man „vorübergehend keine Neukund:innen mehr unter Vertrag nehmen.“ Christoph Rasch von Green Planet Energy begründet das auf Utopia-Nachfrage so: „Um eine große Zahl neuer Kund:innen versorgen zu können, müsste Green Planet Energy für diese zusätzliche Energiemengen zu den aktuellen, extrem teuren Konditionen beschaffen – und sich auch langfristig an dieses Preisniveau binden.“. Dies würde die Energiegenossenschaft zwar nicht vor wirtschaftliche Probleme stellen, aber am Ende Bestandskunden treffen. „Die höheren Beschaffungskosten für die Neukund:innen [würden] die Preise für all unsere Kund:innen in die Höhe treiben“.

Zuletzt änderten auch Prokon und Mann Strom ihre Darstellung, mit ähnlicher Begründung. Ende 2021 waren Neukunden noch Willkommen, 2022 heisst es nun bei Prokon: „In der Verantwortung für unsere Bestandskunden können wir daher vorerst keine neuen Kundinnen und Kunden unter Vertrag nehmen.“, bei Mann Strom „Die von uns im Vorfeld für das Jahr 2022 beschafften Strommengen sind jetzt leider ausverkauft. Vor diesem Hintergrund müssen wir unseren Tarifrechner vorerst schließen.“

Insolvenz und Neukunden-Stopp: Was steckt dahinter?

Die aktuelle Strompreissituation ist schwierig für alle Marktteilnehmer: Wir Kunden müssen höhere Preise bezahlen, klar. Die Stromverkäufer wiederum haben entsprechend empörte Kunden am Telefon. Trotzdem nützen ihnen die Mehreinnahmen erst mal wenig, weil auch sie im Handel höhere Preise bezahlen müssen.

Im Gegenteil: Inzwischen haben über sieben Anbieter Insolvenz angemeldet, wenn auch bisher allesamt eher kleine Anbieter oder solche wie Lition Energy und Enyway, die mit neuen Konzepten (StromMarktplatz, Blockchain) vielleicht ein paar Jahre zu früh dran waren oder es vielleicht auch mit Startup-Allüren übertrieben haben.

Nervt: Neukundenstopp bei Ökostromanbieter parallel zur Erhöhung bei der Stromrechnung
Nervt: Neukundenstopp bei Ökostromanbieter parallel zur Erhöhung bei der Stromrechnung (Foto: Wayhome Studio / stock.adobe.com)

Teil des Problems ist auch, dass gegenüber Kunden üblicherweise Preisgarantien bis zu einem Jahr üblich waren. Wenn der Einkauf nicht ebenfalls mit langfristigen Preisgarantien arbeitete, ziehen explodierende Börsen-Strompreise natürlich Startups und kleine Anbieter als erstes in die Pleite. Ohne Zynismus kann aber das aber auch als Marktbereinigung sehen, denn wirklich nachhaltig ist eben nur solcher Ökostrom, der nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch nachhaltig ist.

Empfehlenswerte Ökostromanbieter hat es bislang nicht erwischt – und keine neuen Kunden annehmen zu wollen ist auch kein Indiz für eine Insolvenz oder dergleichen. Diese Anbieter möchten nur einfach aus verschiedenen Gründen derzeit keine neuen Kunden annehmen – die Versorgung und Konditionen der jeweiligen Bestandskund:innen sind von alldem nicht berührt.

Warum sind seriöse Ökostrom-Anbieter hier im Vorteil? Der Grund dafür dürfte oft auch sein, dass dort typischerweise längerfristige Planungen existieren, die die Notwendigkeit von Einkäufen im derzeit eben völlig überhitzen „Spotmarkt“ (wo immer nur für den folgenden Tag Strom eingebaut wird) reduzieren oder gar vermeiden.

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