Schonungsloser UN-Bericht zur Klimakrise: Temperaturen könnten um 3,9 Grad steigen

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Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern, darf die globale Temperatur um nicht mehr als zwei Grad steigen. Ein neuer Bericht des UN-Umweltprogramms zeigt, wie weit weg die Menschheit aktuell vor diesem Ziel ist – und was die Konsequenzen sind.

Es war das wichtigste Ergebnis des Pariser Klimaabkommens: Die Weltgemeinschaft soll dafür sorgen, dass die Durchschnittstemperatur im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter nicht um mehr als zwei Grad steigt. Besser wäre es, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) prüft regelmäßig, ob die Staaten genug tun, um dieses Ziel zu erreichen. Einmal im Jahr veröffentlicht sie dazu den „Emissions Gap Report“ – sinngemäß: den „Bericht zur Emissionslücke“. Das Ergebnis des aktuellen Berichts: Wenn die Menschheit so weitermacht wie bisher, kann die Temperatur bis 2100 im schlimmsten Fall um bis zu 3,9 Grad Celsius steigen. Das ist fast doppelt so viel, als mit dem Zwei-Grad-Ziel angestrebt wird.

Der Emissions Gap Report ist ein Warnsignal

Besonders erschreckend: Selbst wenn die Länder sich an die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens halten, würde die Temperatur um 3,2 Grad Celsius ansteigen – immernoch deutlich zu viel.

Klimawandel
Eine Folge der Klimakrise: mehr Hitzewellen und Dürren. (Foto: CC0 / Pixabay / PublicDomainPictures)

Der Bericht liefert einen schonungslosen Einblick in das Versagen der Weltgemeinschaft. „Seit 10 Jahren schlägt der Emissions Gap Report Alarm – und seit zehn Jahren hat die Welt die Emissionen immer weiter erhöht“, sagt UN-Generalsekretär António Guterres. Wenn die Menschheit die Warnungen nicht beherzige und „drastische Maßnahmen“ ergreife, werden unter anderem tödliche Hitzewellen, Stürme und Umweltverschmutzung die Folge sein.

Das fordert das Umweltprogramm der Vereinten Nationen

Noch lasse sich das 1,5-Grad-Ziel erreichen, heißt es in dem Bericht. Die Forderungen des UNEP:

  • Die Welt muss die Treibhausgase zwischen 2020 und 2030 jedes Jahr um 7,6 Prozent reduzieren.
  • Alle Länder müssen 2020 ihre nationalen Klimaschutzpläne verschärfen und umsetzen.
  • Die Industrieländer müssen ihre Emissionen schneller reduzieren als die Länder des globalen Südens. (Die G-20-Staaten sind für 78 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich)

Um die Emissionen so drastisch zu reduzieren, sind alle Bereiche der Gesellschaft gefordert – Politik, Unternehmen, Wissenschaft und Privatpersonen. „Es gibt Lösungen, um die Pariser Ziele zu erreichen, aber sie werden nicht schnell genug oder in einem ausreichend großem Maße eingesetzt“, schreibt UNEP.

CO2-Emissionen reduzieren

Der Emissions Gap Report ist nur einer von mehreren aktuellen Berichten, die eine deutliche Warnung aussprechen. Der Weltklimarat beispielsweise erklärte im August, dass die Menschheit selbst bei einer Erderwärmung von „nur“ zwei Grad Celsius mit rund 280 Millionen Klimaflüchtlingen rechnen müsse. Regelmäßige Überschwemmungen und Wirbelstürme würden Menschen in vielen Gebieten zur Flucht zwingen.

Utopia meint: Eines ist klar: Wir müssen die Treibhausgas-Emissionen so schnell wie möglich reduzieren. Dafür sind politische Maßnahmen wie ein schneller Kohleausstieg und der Ausbau erneuerbarer Energien nötig. Unabhängig davon kann aber auch jeder Einzelne etwas tun:

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(4) Kommentare

  1. Freiwillige Maßnahmen der Bevölkerung reichen nicht
    Angesichts des sich immer mehr verschärfenden Klimawandels – nach neuesten Meldungen hat sich die mittlere Lufttemperatur in Deutschland seit 1881 bereits um 1,5 Grad erhöht – ist es unwahrscheinlich, dass die Erwärmung weltweit auf 1,5 Grad, ja nicht einmal auf 2,0 Grad begrenzt werden kann. Wenn durch weiteres „weiter so“ der Temperaturanstieg bis 2100 tatsächlich auf 3,9 Grad steigen sollte, ist die Situation schon deswegen alarmierend, weil unklar ist, ob dann unsere Wälder, die Biosphäre und unsere Ozeane wie bisher einen Teil unserer Emissionen aufnehmen. Gut möglich, dass dann das weltweite Klimasystem kippt, mit dramatischen Folgen für Menschheit, Flora und Fauna.
    Freiwillige Appelle an die Bevölkerung zur Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes, wie im obigen Utopia-Bericht aufgelistet, reichen deshalb nicht aus. Es wird nicht ohne einschneidende, teilweise auch schmerzliche Gebote und Verbote gehen. Z.B. kein neues Auto über 130 PS Leistung mehr, Höchstgeschwindigkeit 130 km/h, Verbot von Inland-Flügen, Transfer des nationalen Güterverkehrs auf die Schiene, rasche Weiterentwicklung der Wasserstoffenergietechnik (Einsatz z.B. beim Verkehr, in der Stahlerzeugung usw.), weiterer Ausbau der Windenergie, Neubauten nur noch in Passivbauweise, Photovoltaikanlage auf jedem Dach in Gegenden mit erhöhter Sonnenstundenzahl, Entwicklung von Maßnahmen zur Entfernung von atmosphärischem CO2, usw. usw.. Schließlich muss man sogar eine Begrenzung des rapiden Bevölkerungswachstums andenken. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als wir – 1960 – auf der Welt nur drei Milliarden Menschen waren, heute – sechs Jahrzehnte später – sind wir mehr als doppelt so viele! Bereits in den 1980-er Jahren war der ökologische Fußabdruck der Menschheit größer als die Erde selbst. Oder anders ausgedrückt: die Erde verkraftet bei mittlerem Lebensstandard nur 6 Milliarden Menschen, bei gehobenem Lebensstandard sogar nur ein Drittel davon.
    Horst Köhler
    Fachautor für Schadstoffemissionen und Klimawandel

  2. Ihr Kommentar spricht mir aus dem Herzen. Sehr gut, dass Sie als Fachmann auch (und gerade!) das Bevölkerungswachstum ansprechen. Wagt man im allgemeinen eine entsprechende Äußerung, wird man sofort als Menschenfeind u.ä. verurteilt, mit Argumenten wie: „Die Erde kann bei gerechter Verteilung auch locker 10 Milliarden Menschen ernähren…“ etc. mundtot gemacht. Tatsächlich geht es aber nicht „nur“ um Ernährung, sondern um den von Ihnen genannten Lebensstandard! „Satt sein“ würde doch gerade in den Ländern unserer sogen. „1. Welt“ bei weitem nicht mehr ausreichen, um ein zufriedenes Leben zu führen. Ich würde wirklich allen Menschen dieser Welt wünschen, sie hätten zumindest einen mittleren Lebensstandard – wenn schon ein gehobener nicht möglich ist. Aber das ist eben bei 10 Milliarden unmöglich. Irgendwie scheint das aber in die Köpfe der „Menschenfreunde“ nicht einzudringen.

  3. „Irgendwie scheint das aber in die Köpfe der „Menschenfreunde“ nicht einzudringen.“
    Nachdem du dich sogar in den Köpfen deiner Mitmenschen so gut auskennst, scheinst du ja selbst ein besonders helles Köpfchen zu sein. Dann mach doch einfach mal praktikable(!) und ethisch vertretbare(!) Vorschläge.
    Wie wäre es denn, bei den Ländern mit einer Bevölkerungsreduktion zu beginnen, in denen „satt sein“ „bei weitem nicht mehr ausreichen [würde] um ein zufriedenes Leben zu führen“? Das wäre doch effizient und würde eine erhebliche Vorbildfunktion erfüllen. Vielleicht magst du ja gleich bei dir selbst anfangen?

  4. Ich bin sehr froh, dass Greta Thunberg letztes Jahr mit ihrem Schulstreik begonnen hat und was daraus geworden ist (FFF). 🙂
    Gleichzeitig ärgere ich mich schon seit vielen Jahren, dass die meisten Menschen gleichgültig sind, wenn es um Klimaschutz geht. Wenn jemand jammert, weil die Kosten für Benzin etc steigen werden – dann platzt mir der Kragen!
    Ich kann es auch nicht ertragen, wenn Menschen meinen, es nützt nichts, wenn „nur wir“ etwas für den Klimaschutz machen, solange die anderen Länder sich nicht dafür engagieren!
    Über Politiker und Verantwortliche in der Wirtschaft kann ich mich nur aufregen!!! Jahrzehntelang haben sie die bisher leider viel zu leisen Mahnungen von Wissenschaftlern ignoriert und jetzt sind sie nicht bereit drastische Maßnahmen durchzusetzen (die leider dringend nötig sind).
    Dass die Kirche auch erst jetzt aus ihrem Schlaf erwacht und die Bewahrung der Schöpfung fordert – kann ich auch nicht verstehen!
    Wenn wir nicht mehr für den Klimaschutz machen, werden noch sehr viel höhere Kosten auf uns zukommen – dagegen sind ein paar Cent mehr für das Tanken eine Kleinigkeit.
    Ich wünsche mir von den Politikern den nötigen Mut, so zu handeln wie es dringend nötig ist. Von den Verantwortlichen in Unternehmen wünsche ich mir die Einsicht, dass es so nicht weiter gehen kann und die Bereitschaft umzudenken und ihren Teil dazu beizutragen, dass auch die nachfolgenden Generationen noch in einer lebenswerten Umwelt leben können.