Diese regionalen Superfoods kosten dich keinen Cent

Diese regionalen Superfoods kosten dich keinen Cent
Fotos: Foto „Judasohr, NGIDn1601828350" von Naturgucker.de / enjoy nature.net unter CC BY 2.0, anemone123, mediengestalter / Pixabay.de - CC0 Public Domain

Sie sollen den Blutdruck senken, beim Abnehmen helfen und Krankheiten heilen – Superfoods liegen voll im Trend. Doch häufig werden die Wundermittel aus fernen Ländern importiert und für teures Geld verkauft. Die Alternative: regionale Superfoods, die manchmal sogar kostenlos vor deiner Haustür wachsen.

Regionale Superfoods: Vitaminbomben zu jeder Saison

Superfoods sind unterschiedliche Lebensmittel, die allesamt eine positive Wirkung auf unsere Gesundheit haben sollen. Kaum eine davon ist wissenschaftlich belegt. Doch die Werbeversprechen von Acerola, Matchapulver und Co. verführen viele Leute. Und so kaufen sie für viel Geld Gemüse, Obst, Samen oder Nüsse, die von weit her importiert werden. Besser für die Umwelt – und deutlich günstiger – sind regionale Superfoods: Einige davon kannst du einfach vor deiner Haustüre ernten oder pflücken – und das nicht nur im Sommer.

Schlehen: nach dem ersten Frost

Schlehdorn wächst an Weg- und Waldrändern – gerne auf kalkigem Boden. Die Früchte des dornigen Strauches sehen ähnlich aus wie Heidelbeeren. Sie reifen ab September, sollten jedoch erst nach dem ersten Frost geerntet werden – durch die Kälte werden sie aromatischer.

Schlehen werden erst nach dem ersten Frost geerntet.
Schlehen werden erst nach dem ersten Frost geerntet. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Schlehen enthalten Gerbsäuren, Fruchtsäuren, Mineralien und Vitamin C. Sie wirken magenstärkend, entzündungshemmend und regen die Verdauung und den Stoffwechsel an. Ein Blütenaufguss hilft gegen Durchfallerkrankungen, Magenbeschwerden und Blasen- und Nierenprobleme. Schlehen schmecken nach dem Frost süßlich herb, die unreifen Früchte sind eher sauer. Von der Verarbeitung der Beeren zu Schlehenlikör – auch als Schlehenfeuer bekannt – hat man vielleicht schon mal gehört. Die reifen Früchte eignen sich aber auch zur Herstellung von Saft oder Marmelade und die unreifen Früchte kann man wie Oliven einlegen.

Der Pilz des Jahres 2017: das Judasohr

Die beste Zeit zum Pilze sammeln ist der Herbst, doch auch zu anderen Jahreszeiten kann man fündig werden: Das ganzjährige Judasohr findet man besonders häufig in frostfreien, feuchten Wintermonaten. Der Pilz wächst als Parasit besonders gerne auf alten Stämmen und Ästen des Holunderbaumes und ernährt sich von dessen Holz. Man kann ihn auch getrocknet im Handel kaufen, dafür wird er jedoch aus Vietnam importiert.

Der Pilz des Jahres sieht ein bisschen aus wie ein menschliches Ohr.
Der Pilz des Jahres sieht ein bisschen aus wie ein menschliches Ohr. (Foto „Judasohr, NGIDn1601828350" von Naturgucker.de / enjoy nature.net unter CC BY 2.0 )

Als Mu-Err kennt man das Judasohr aus der chinesischen Küche, dort spielt es auch in Medizin und Naturheilkunde eine wichtige Rolle: Es hilft bei Ateriosklerose, verbessert die Fließfähigkeit des Blutes, wirkt entzündungshemmend und senkt den Cholesterinspiegel. Das regionale Superfood ist reich an Eisen, Kalium, Magnesium und Vitamin B1. Der Pilz hat nur einen leichten pilzigen Eigengeschmack und eignet sich gut für Suppen oder Pilzgerichte. Die deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) hat das Judasohr zum Pilz des Jahres 2017 gewählt. Und sagt „Seine ungewöhnliche Form macht das Judasohr unverwechselbar. Giftige Doppelgänger sind nicht bekannt – also ein idealer Einsteigerpilz.“

Bärlauch: das Superfood für den Frühling

Bärlauch ist verwandt mit Knoblauch, Zwiebeln, Lauch und Schnittlauch. Seine grünen Blätter verraten die Verwandtschaft: Sie riechen nach Knoblauch. Frisch als Pesto, in Salaten, Suppen ist er eine Köstlichkeit. Zudem ist er sehr gesund: er enthält viel Vitamin C, Eisen und verschiedene schwefelhaltige ätherische Öle, die eine positive Wirkung auf Verdauung, Atemwege, Leber, Galle, Darm und Magen haben. Auch soll er heilende Wirkungen bei Bluthochdruck, Arteriosklerose haben und gut für den Cholesterinspiegel sein.

Im Frühjahr duftet der Wald nach Knoblauch.
Im Frühjahr duftet der Wald nach Knoblauch. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Sammeln kann man ihn von März bis Mai, er wächst meist an halbschattigen Orten, häufig im Wald an feuchten, humusreichen, kalkigen Stellen. In Süddeutschland findet man ihn häufiger als in Norddeutschland.

Achtung! Nicht mit dem Maiglöckchen oder der Herbstzeitlosen verwechseln, die sind giftig!

Giersch: hilft gegen Gicht und Rheuma

Über Giersch hat sich der ein oder andere bestimmt schon mal geärgert: Wenn man ihn einmal im Garten hat, wird man ihn so schnell nicht mehr los. Doch Giersch kann viel mehr als sich nur wild auszubreiten: Er ist reich an Eisen, Magnesium, Kalium, Calcium, Vitamin CVitamin A,  Eiweiß und sekundären Pflanzenstoffen. Schon im Mittelalter wurde er als Heilmittel gegen Herzgefäß-Beschwerden und Gicht verwendet, das frisch zerquetschte Kraut als Umschlag soll gegen Rheuma und Insektenstiche helfen.

Giersch schmeckt sehr lecker im grünen Smoothie.
Giersch schmeckt sehr lecker im grünen Smoothie. (Foto „140322_Giersch“ von Birgit Birnzain unter CC BY 2.0 )

Er schmeckt und riecht ein bisschen wie Petersilie, gekocht erinnert er an Spinat. Man kann ihn frisch für grüne Smoothies, Salate oder Aufstriche verwenden, und auch in Suppen, Aufläufen oder Tee schmeckt er lecker. Er wächst in Wäldern, Hecken und Gärten. Am besten sammelt man ihn zwischen April und Juli.

Holunderblüten: mehr als nur ein Sommergetränk

In den vergangenen Jahren ist Holunderblütensirup zu einer echten Trendzutat für Sommergetränke wie Limonade oder Hugo geworden. Die hübschen weißen Blüten des schwarzen Holunders sind jedoch nicht nur lecker, sondern auch gesund: Die Blüten enthalten ätherische Öle, sie wirken entzündungshemmend, fiebersenkend, schweißtreibend, schleimlösend, entwässernd und regen Leber und Galle an.

Holunderblüten sehen schön aus, schmecken lecker und sind gesund.
Holunderblüten sehen schön aus, schmecken lecker und sind gesund. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Holunderblüten eignen sich nicht nur zur Herstellung von Sirup: als Tee bei Erkältungskrankheiten mildern die sie Husten oder Magenbeschwerden, lecker sind sie auch als Gelee oder Marmelade. Der schwarze Holunder wächst meist an Wegesrändern, in Laubwäldern oder an Bauchläufen. Er blüht von Mai bis Juni.

Holunderbeeren: gegen Erkältungskrankheiten

Während Holunderblütensirup inzwischen in fast jedem Supermarkt zu finden ist, ist die Verwendung der Beeren des schwarzen Holunders nicht so weit verbreitet. Dabei sind die Beeren – in Norddeutschland auch bekannt als Fliederbeeren – echte Vitaminbomben: sie sind reich an Vitamin C, B und A, Kalium, Calcium und Phosphor und enthalten jede Menge Fruchtsäuren, ätherische Ölen und Antioxidantien. Nicht ohne Grund galt der Holunder früher als „Apotheke der armen Menschen“.

Mindestens genauso gesund wie die Blüten: Holunderbeeren.
Mindestens genauso gesund wie die Blüten: die Beeren des schwarzen Holunders. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Wenn die Blüten verblüht sind, bilden sich die schwarzen Beeren: Von August bis Oktober kann man sie ernten. Roh sind allerdings sie leicht giftig und ungenießbar, der Verzehr kann zu Krämpfen, Durchfall und Erbrechen führen. Am besten verarbeitet man die Beeren direkt nach der Ernte zu Saft, Marmelade oder Gelee. Der Geschmack ist aromatisch, herb und nicht süß. In Norddeutschland kocht man aus den schwarzen Beeren eine Fliederbeerensuppe – mit Äpfel, Birnen, Gewürzen und Griesklößchen wird sie zur kalten Jahreszeit serviert. Der Saft hilft bei Erkältungskrankheiten und soll das Herz-Kreislauf-System stärken, in der Lebensmittelindustrie wird er zum Färben verwendet.

Bucheckern: die Früchte der Rotbuche

Der Herbst ist die Erntezeit für Nüsse, Kastanien und auch für Bucheckern. Zu Notzeiten nach dem Krieg waren sie eine willkommene Bereicherung des Speiseplans, heute sammelt die Früchte der Rotbuche kaum noch jemand. Dabei sind sie sehr gesund: Sie enthalten die essentielle Fettsäure Linolsäure und wichtige Mineralstoffe wie Zink und Eisen.

Wer die Augen offen hält kann im Herbst viele Bucheckern auf dem Waldboden finden.
Wer die Augen offen hält kann im Herbst viele Bucheckern auf dem Waldboden finden. (Foto „Bucheckern, -blätter und -fruchtbecher , NGIDn588766658" von Naturgucker.de / enjoy nature.net unter CC BY 2.0 )

Roh sind sie allerdings giftig und können Bauchschmerzen verursachen. Wenn man sie mit kochend heißem Wasser übergießt oder die geschälten Früchte in der Pfanne röstet, wird der Giftstoff abgebaut. Sie eigenen sich als Topping für einen leckeren Salat, wenn man viele findet, kann man sie zu Mehl schroten und zum Backen verwenden. Die essbaren Blätter der Rotbuche wirken entzündungshemmend und sollen bei Zahnfleischproblemen oder als Wundauflage helfen.

Noch mehr regionale Superfoods sammeln

Wer sich umschaut kann in der Natur noch viel mehr regionale Superfoods entdecken: Im Frühling kann man zum Beispiel Brennnesseln oder die Blätter des Löwenzahns sammeln. Der Sommer ist eine besonders vielfältige Zeit für die Ernte von wilden Superfoods: Beeren wie Brombeeren, Himbeeren oder Wildkräuter wie der Spitzwegerich oder die Schafgarbe findet man jetzt. Und im Herbst gibt es Hagebutten, Berberitzen, Sanddorn, Nüsse, Pilze und Wildkräuter.

Wenn du auf die Suche nach wilden Superfoods gehst, solltest du allerdings ein paar Dinge beachten:

  • Sammle lieber nicht direkt am Straßenrand oder in der Nähe von Pestizid belasteten Feldern.
  • Ernte nur so viel wie du wirklich essen wirst, beim Bärlauch beispielsweise pro Pflanze nur ein Blatt, damit die Pflanze sich weiter entwickeln kann.
  • Achte darauf, nicht in Naturschutzgebieten oder auf privaten Grundstücken zu sammeln.

Lies dazu auch unseren Beitrag „Wildkräuter sammeln, bestimmen, essen: 11 Tipps“.

Ganzjährig: Pflanzen, die nachwachsen

Noch einfacher als sich auf die Suche nach wilden Superfoods zu machen, ist es Lebensmittel einfach zuhause nachwachsen zu lassen – zum Beispiel diese acht Lebensmittel, die immer wieder nachwachsen.

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(5) Kommentare

  1. Danke für den Artikel der regionalen Superfoods. Immer wieder werde ich dadurch bestärkt, mich in meiner Umgebung umzuschauen. Und?1 Gefunden gestern auf einem langen Waldspaziergang, die Buchecker, auch jetzt im Februar.!!!
    Dann beginnt nun, nach Fasching, die Vernaschung der regionalen Spezialität der „Bettsäächer“, Löwenzahn. Sogar in den Restaurants.
    Eigentlich sind wir mit allem versorgt, wir sollten einfach mehr in der Natur sein!!

  2. Ich schlage vor, das Thema auszuweiten und eine downloadfähige Übersicht zu erstellen (wie bei den Saisongemüsen), die sowohl auf die Saison, als auch auf den Boden Rücksicht nimmt.

    Bärlauch und Giersch sind nur von März bis April genießbar und setzen einen lehmigen Boden voraus.

    Das Judasohr hat auch eine optimale Erntezeiten und Wachstumsverhältnisse.

    Nüsse fehlen noch als Kalium- und B-Vitaminlieferanten.
    Bucheckern zumindest sind Vitamin-B-Lieferanten (Omega-3-Komplex ?).

    Am Ende einer solchen Übersicht könnte stehen, jede/r Betrachter/in hat einen Jahreskalender mit einem Vermerk, wo die Pflanze am optimalsten wächst (Bodenart) und wann sie ihren Erntezeitpunkt hat — genauso, wie die Saisonübersicht Gemüse / Obst, um sich über das Jahr zu informieren.

  3. Vielen Dank für diesen schönen Artikel, sehr interessant und zugleich vor Augen führend, wie Volkswissen verloren geht (meine Großmutter hätte mit mir einen Lehrkurs durch den Wald machen können, inklusive anschließender Verarbeitung. Zwei Generationen später ist das Wissen nahezu verloren gegangen).

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