Kräutergarten auf dem Balkon: So klappt es

Foto: © Utopia.de / Melanie Öhlenbach

Kräuter bereichern jedes Gericht – vor allem, wenn sie frisch geerntet sind. Einen kleinen Kräutergarten könnt ihr auch auf dem Balkon anlegen. Utopia zeigt, welche Kräuter sich dafür am besten eignen.

Ein Kräutergarten ist ein Paradies für die Sinne: Frisches Grün sorgt für gute Laune, duftet herrlich und schmeckt unvergleichlich lecker. Und das nicht nur uns, sondern auch Wildbienen und Hummeln, die von den Blüten angezogen werden.

Wer ein solches Stück Paradies sein Eigen nennen möchte, braucht dafür noch nicht unbedingt einen Garten. Kräuter lassen sich ganz einfach in Töpfen, Kübeln und Balkonkästen ziehen – sei es auf dem Balkon, der Terrasse oder der Fensterbank. Mit der Ernte könnt ihr Suppen, Salate, Dips und Saucen verfeinern, Smoothies, Sommer-Drinks und Tees zubereiten und euch sogar eine kleine Hausapotheke zulegen.

Langfristig spart das nicht nur Geld, sondern macht auch etwas unabhängiger vom Angebot im Supermarkt. Und das nicht erst ab Frühlingsanfang und im Sommer, sondern das ganze Jahr über: Eingefroren oder getrocknet lassen sich Kräuter hervorragend lagern. Also ruhig ein bisschen mehr ernten, wenn euch im Sommer die Pflanzen über den Kopf zu wachsen drohen. Sie werden es euch in der Regel sogar danken – und noch üppiger wachsen!

Kräutergarten auf dem Balkon: Basilikum

Tomaten und Basilikum sind nicht nur auf dem Teller, sondern auch im Blumentopf ein tolles Duo. Allerdings sollten die Tomaten den Basilikum im Kräutergarten nicht zu sehr bedrängen: Basilikum liebt Sonne und Wärme, steht aber ungern trocken. Gekaufte Basilikumpflanzen solltet ihr großzügig auspflanzen, d.h. auf mehrere Töpfe aufteilen, sie stehen im Topf viel zu eng. Weitere Pflanzen könnt ihr euch ganz einfach durch Ableger ziehen. Eine tolle Alternative ist übrigens Strauchbasilikum: Er blüht nicht nur wunderhübsch auf dem Balkon, seine weißen oder violetten Blüten ziehen auch Hummeln an.

Kräutergarten auf dem Balkon, Strauchbasilikum
Strauchbasilikum: zieht Hummeln an (Foto: © Utopia.de / Melanie Öhlenbach)

Borretsch

Borretsch? Noch nie gehört? Dann habt ihr was verpasst! Auf seine süßlichen blauen oder rosafarbenen Blüten fliegen nicht nur Bienen und Hummeln. Sie schmücken auch Salate und Kräuterbutter. Ein Muss für deinen Kräutergarten! An einem sonnigen Standort und in einem ausreichend großen Topf kann die Pflanze bis zu 90 Zentimeter hoch werden. Borretsch ist ein Bestandteil der berühmten Frankfurter Grünen Soße – einem Dip aus sieben Frühlingskräutern. Weil die behaarten Blätter nach Gurke schmecken, wird er oft auch Gurkenkraut genannt.

Kapuzinerkresse

Egal ob großer Kübel oder kleiner Balkonkasten: Kapuzinerkresse geht eigentlich immer. Natürlich wächst sie umso üppiger, je mehr Sonne, Platz und Nährstoffe sie bekommt. Ansonsten ist sie aber eine pflegeleichte Pflanze, die wegen ihrer Vielseitigkeit in jeden Kräutergarten gehört: Fast alles ist essbar! Die mal mehr mal weniger scharf nach Kresse schmeckenden Blätter und die gelben bis orangefarbenen Blüten verfeinern Sommersalate, Kräuterbutter und Dips. Die jungen Samenkapseln können als Kapernersatz eingelegt werden. Wegen ihrer antibiotisch wirkenden Senföle war die Große Kapuzinerkresse übrigens die „Arzneipflanze des Jahres 2013“. Und: Die schönen Blüten lassen deinen Balkon erstrahlen.

Kräutergarten auf dem Balkon, Kapuzinerkresse
Kapuzinerkresse: Fast alles ist essbar. (Foto: © Utopia.de / Melanie Öhlenbach)

Liebstöckel

Liebstöckel kennen viele unter der Bezeichnung Maggikraut – weil es schmeckt wie die gleichnamige Würzsauce (die interessanterweise selbst aber kein Maggikraut enthält!). Die frischen Blätter könnt ihr zum Würzen von Suppen und Eintöpfen verwenden. Auch die getrockneten Früchte gelten als essbar. Anders als die bisher genannten Kräuter ist Liebstöckel mehrjährig. Gut geschützt übersteht er also auch einen Winter auf dem Balkon. Die Erde sollte regelmäßig gedüngt und stets feucht, aber nichts nass sein. Am besten kommt er mit Halbschatten zurecht.

Kräutergarten: Minze darf nicht fehlen

Allein mit Minze könnte man einen ganzen Balkongarten gestalten, so viele unterschiedliche Arten gibt es. Viele schmecken nicht nur nach Minze, sondern auch nach Erdbeeren, Orange oder Schokolade. Apfelminze ist mild, nahezu mentholfrei und daher bei Kindern besonders beliebt. Für Mojito-Fans gibt es eine eigene Sorte. Und Pfefferminze wurde zur „Arzneipflanze des Jahres 2004“ ernannt. Wie Liebstöckel mag Minze einen halbschattigen Standort im Kräutergarten mit feuchter, nährstoffreicher Erde. Und das am besten in einem Einzelzimmer: Sie vermehrt sich über unterirdische Ausläufer und verdrängt so gern ihre Mitbewohner.

Kräutergarten auf dem Balkon, Erdbeerminze
Erdbeerminze auf dem Balkon (Foto: © Utopia.de / Melanie Öhlenbach)

Oregano

Echter Oregano gilt als das Pizza-Gewürz schlechthin – und ist wohl die bekannteste Sorte. Mit Chili- und Pfeffer-Oregano sind aber auch feurige Vertreter auf dem Markt. Milder ist Gold-Oregano, der an seinen gelbgrünen Blättern gut zu erkennen ist. Die unter dem Namen „Dost“ bekannte Pflanze stammt aus dem Mittelmeerraum. Sie bevorzugt daher einen nährstoffarmen, schön sonnigen und warmen Standort im Kräutergarten.

Petersilie

Petersilie gibt es mit glatten und krausen Blättern und hat sich unter Gärtnern den Ruf einer kleinen Diva erarbeitet. Auf zu viel Sonne und Trockenheit reagiert sie empfindlich und lässt ihre Blätter schnell gelb werden. Im Halbschatten ist Petersilie daher besser aufgehoben. Wer sie selbst aussäen will, muss Geduld haben: Bis zu einem Monat kann es dauern, bis die Samen keimen. In der Küche möchte sie dennoch keiner missen: Klein gehackt verfeinern die Blätter jedes Gericht, sie sollten aber maximal kurz erhitzt werden, da sie sonst ihr Aroma verlieren.

Kräutergarten auf dem Balkon, Petersilie
Petersilie: liebt Halbschatten (Foto: © Utopia.de / Melanie Öhlenbach)

Rosmarin

Auch Rosmarin sagt man eine gewisse Divenhaftigkeit nach. Er mag keine Staunässe, sondern einen sonnigen, trockenen Standort im Kräutergarten. Auch ob er einen frostig-kalten Winter im Freien übersteht, ist ihm leider nicht anzusehen. Auf die herrlich duftende Pflanze solltet ihr auf dem Balkon dennoch nicht verzichten. Frisch oder getrocknet verfeinert er nicht nur Kartoffen und Gemüse aus dem Backofen, sondern auch Brot und sogar Kekse oder Kuchen. Die Nadeln solltet ihr allerdings nicht einzeln, sondern mit dem gesamten Zweig ernten. Zu einem Strauß gebunden und kopfüber aufgehängt, könnt ihr Rosmarin super trocknen.

Salbei

Salbei gilt als idealer Nachbar für Rosmarin. Seine Vorlieben, was den Standort betrifft, sind daher identisch. Die Liste an Sorten ist unendlich lang. Als Klassiker gilt der Heil- und Küchensalbei. Er blüht nicht nur wunderschön violett. Aus seinen Blättern lässt sich auch Tee zubereiten, der als schweißhemmend gilt und bei Erkältungskrankheiten und Verdauungsproblemen helfen soll. Außerdem kann man damit Kräuterbonbons selber machen.

Kräutergarten auf dem Balkon, Salbei
Salbei: ein Klassiker in der Küche und als Heilmittel (Foto: © Utopia.de / Melanie Öhlenbach)

Thymian

Thymian gehört ebenfalls in jeden Kräutergarten. Er gilt als antibakteriell, entzündungshemmend und schleimlösend und wird daher schon seit der Antike bei Atemwegserkrankungen wie Husten und Bronchitis angewandt. Seine verdauungsregulierende Eigenschaft soll auch Speisen bekömmlicher machen. Ansonsten ist die Pflanze pflegeleicht und fühlt sich an einem trockenen, sonnigen Platz am wohlsten. Wer eine prächtig blühende Sorte im Kübel auf dem Balkon ziehen möchte, sollte Kaskaden-Thymian wählen.

Kräutergarten auf dem Balkon, vertical gardening
Wenig Platz auf dem Balkon? So geht es auch. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.com)

Wer wenig Platz auf dem Balkon hat, kann seinen Kräutergarten auch vertikal anlegen. Spezielle Vorrichtungen gibt es zu kaufen, online** zum Beispiel bei Avocado Store und Amazon.

Schnittknoblauch

Warum Schnittlauch anpflanzen, wenn man Schnittknoblauch haben kann? Seine Blätter sind zwar glatt und nicht röhrenförmig. Aber er ist für einen Anbau auf dem Balkon besser geeignet, da er ausdauernder ist und nicht so schnell blüht. An einem halbschattigen Standort könnt ihr im Sommer wöchentlich größere Mengen frisch ernten und damit Dips und Kräuterquark zubereiten, Gerichte verfeinern oder ihn auf Vorrat einfrieren. Die wunderschönen weißen Blüten sind übrigens essbar.

Kräutergarten auf dem Balkon, Schnittknoblauch
Schnittknoblauch auf dem Balkon (Foto: © Utopia.de / Melanie Öhlenbach)

Zitronenmelisse

Mit Zitronenmelisse holt ihr euch eine weitere tolle Bienenweide in den Kräutergarten. Wenn ihr die Blätter für Sorbets, im Salat und als Tee verwenden wollt, solltet ihr sie allerdings vor der Blüte ernten. Dann ist sie nämlich am aromatischsten. Zitronenmelisse mag einen nährstoffreichen, durchlässigen Boden. Auf dem Balkon sollte sie aber nicht allzu sonnig stehen. Halbschatten ist hier ideal. Wie Minze neigt auch sie dazu, sich im Kasten oder Kübel breit zu machen.

Autorin: Melanie Öhlenbach

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(2) Kommentare

  1. Danke für die Zusammenstellung!
    Bei der Kapuzinerkresse habe ich aber eine Anmerkung:
    Sie wächst zwar super, wenn man sie viel düngt, aber sie blüht dann nicht komischerweise.
    Soweit ich weiß, sollte die Kapuzinerkresse sehr sparsam bis gar nicht gedüngt werden, damit sie blüht. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher.
    Vielleicht weiß jemand was Genaueres und kann das hier mit uns teilen?

  2. Alles genau richtig beschrieben. Bloß nicht düngen! Die Kresse entwickelt sonst riesige Blätter, aber wenig Blüten.
    Düngen muss man wirklich nur bei sehr kargen Böden.

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