Die schlimmsten Öko-Sünden im Büro – und wie du sie vermeidest

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Zuhause alles im grünen Bereich? Wunderbar! Doch einen Großteil des Tages verbringen die meisten von uns mit Arbeit – und handeln dort weit weniger verantwortungsbewusst als im Privaten. Dabei wäre es für uns alle ganz leicht, besser und nachhaltiger zu handeln. Jeder Tag bietet dazu Möglichkeiten.

Wer seinen privaten Alltag nachhaltig gestaltet, kann das auch im Büro zumindest versuchen. Derzeit arbeiten wegen der Corona-Krise weiterhin viele Menschen im Home-Office. Das ist mitunter eine große Herausforderung, bietet aber auch Chancen. Zum Beispiel fällt der Arbeitsweg weg – und damit unter Umständen auch eine Quelle von klimaschädlichen Emissionen. 

Hier findest du Tipps wie du jetzt im Home Office effizient arbeiten kannst.

Hier ein mehr oder weniger typischer 8-Stunden-Arbeitstag – und an welchen Stellen wir Öko-Sünden vermeiden können.

07:30 Uhr: Mit dem Auto zur Arbeit fahren

Rund zwei Drittel der Deutschen fahren mit dem Auto zur Arbeit, und das oft auch noch alleine. Für das Klima ist das Gift. Wer in der Stadt wohnt, ist mit dem öffentlichen Nahverkehr – noch besser: Fahrrad fahren – viel umweltfreundlicher unterwegs. Übrigens meist auch schneller, billiger und gesünder.

Wer in Regionen ohne guten öffentlichen Nahverkehr wohnt, kann versuchen, Fahrgemeinschaften zu bilden – das spart CO2 und Geld. Und wenn es doch das (eigene) Auto sein muss, dann am besten ein möglichst umweltfreundliches Modell.

Tipp: Wer im Home Office arbeitet, spart sich den Arbeitsweg. Wie wäre es, die gewonnene Zeit zu nutzen und ein bisschen Frühsport in deinen Alltag zu integrieren?

08:00 Uhr: Strom aus Kohle- und Kernkraft beziehen

Schonmal darüber nachgedacht, welchen Stromanbieter dein Unternehmen unterstützt – oder aber du selbst, wenn du zuhause arbeitest? Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass es derzeit die großen Kohle- und Atomkraftkonzerne sind.

Dabei ist der Wechsel zu Ökostrom so einfach wie wirksam – und bewegt in Büros sogar noch mehr als im Privaten.

Stromzähler
Strom aus Kohle- oder Atomkraft? Nein, Danke! (Foto: CC0 / Pixabay / geralt)

Info für Selbstständige und Arbeitgeber*innen: Ökostrom lässt sich als Betriebsaufwand steuerlich genauso komplett absetzen wie schmutzige Energie. Übrigens: Sauberer Strom aus erneuerbaren Energiequellen ist keineswegs immer teurer als der aus konventionellen Kraftwerken – mit dem richtigen Angebot kann er sogar günstiger sein.

Hier findest du die besten echten Ökostrom-Anbieter.

Tipp: Vergleiche mit dem Utopia-Stromvergleich empfehlenswerte, zertifizierte Ökostrom-Anbieter mit Preis und finde den passenden für dich!

08:10 Uhr: Konventionellen Kaffee und Tee trinken

Herkömmlicher Supermarkt-Kaffee und -Tee wird selten unter fairen Bedingungen produziert. Auf Plantagen in Asien, Südamerika und Afrika herrschen noch immer oft ausbeuterische Arbeitsverhältnisse mit Kinderarbeit, Armut und Hunger. Pestizide und Düngemittel belasten dort außerdem die Umwelt.

Wissentlich will das bestimmt niemand unterstützen – steig doch einfach um auf fair gehandelten Bio-Kaffee und Bio-Tee – am besten gemeinsam mit den Kolleg*innen!

08:15 Uhr: am ungesunden Arbeitsplatz sitzen

Woraus sind dein Schreibtisch und die Aktenschränke gemacht? Das Holz für Billigmöbel kommt nicht selten aus illegalem Raubbau. Aus Spanplatten gefertigte, beschichtete oder lackierte Möbel können zudem ungesunde Schadstoffe wie etwa Formaldehyd ausdünsten. Besser: in hochwertige und nachhaltige (Büro-)Möbel investieren.

Ergonomie am Arbeitsplatz
Ein gesunder Arbeitsplatz ist wichtig – egal ob im Büro oder im Home Office. (Foto: CC0 / Public Domain / StockSnap)

Die Möbel sind aber nur ein Aspekt: Mindestens genauso wichtig für deine Gesundheit ist die Ergonomie am Arbeitsplatz. Dazu gehört die ergonomische Gestaltung deines Schreibtisches und Stuhls, aber auch das richtige Sitzen.

Tipp: Ein ordentlicher Schreibtisch kann helfen, sich bei der Arbeit zu konzentrieren. Mehr dazu: Arbeitsplatz gestalten: Minimalismus am Schreibtisch

10:40 Uhr: Druckerpapier aus Regenwaldzerstörung verwenden

Herkömmliches (billiges) Druckerpapier aus Frischfasern stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit von hierfür gerodeten Wäldern – womöglich sogar von illegal zerstörten Tropenwäldern. Besser ist es, zumindest FSC- oder PEFC-zertifiziertes Papier zu verwenden; am umweltfreundlichsten ist Recycling-Papier mit dem „Blauen Engel“.

Mehr Tipps: Nachhaltiges Papier kaufen: Darauf solltest du achten

Doch auch mit diesem Papier sollte man nicht verschwenderisch umgehen.
Wenn es also nicht unbedingt auf Papier sein muss, verwende besser digitale Formate!

Übrigens: Nicht nur Papier, auch weitere Bürodinge kannst du in diesen Shops für nachhaltigen Bürobedarf kaufen.

10:42: Schadstoffe aus dem Kopierer freisetzen

Gilt vor allem im Büro: Wirf ruhig mal einen kritischen Blick auf Drucker und Kopierer. Vor allem ältere Geräte können Schadstoffe wie Benzol und Ozon freisetzen. Sie sollten am besten nicht mitten im Büro stehen, sondern in einem gesonderten Raum oder im Flur.

Falls eine Neuanschaffung ansteht: Der Blaue Engel zertifiziert besonders schadstoffarme Drucker und Kopierer.

12:30 Uhr: Fast Food und Coffee To Go in der Mittagspause

Wer sich in der Mittagspause schnell „was zum Mitnehmen“ holt, hat meistens das Problem: Fast Food-Gerichte und sogar belegte Brötchen kommen mit viel (Plastik-) Verpackung. Ebenso wie mit dem Kaffee zum Mitnehmen produziert man damit unnötigen Müll.

Greifst du auf Reisen immer wieder auf To-Go-Produkte zurück, können dabei leicht große Mengen an Plastikmüll entstehen.
Plastik-verpackte To-Go-Produkte müssen auch bei der Arbeit nicht sein. (Foto: CCO / Pixabay / fancycrave1)

Besser: Wenn du im Büro arbeitest, nimm in einer wiederverwendbaren Brotdose die Reste vom Vortag oder ein „Pausenbrot“ mit, deponiere Vorräte im Kühlschrank – und wenn möglich, teile sie mit Kolleg*innen.

Mehr lesen: Mittagspause: 12 Tipps für gesünderes Essen am Mittag

Auch im Home Office muss es mit dem Mittagessen oft schnell gehen – hier sind viele schnelle Rezepte fürs Home Office: Einfach, leicht und gesund.

13:15 Uhr: Alles in einen Mülleimer werfen

Mülltrennung ist umweltschonend, effektiv und mit wenig Aufwand jedem möglich. Bloß: Im Büro macht’s kaum jemand und wir vermuten, dass auch im Mülleimer unter dem heimischen Schreibtisch einfach alles landet. Doch nur wenn Glas, Papier und Plastik getrennt gesammelt und entsorgt werden, lassen sich die Wertstoffe dem Recycling-Kreislauf zuführen.

Also: Wenn’s im Büro sonst keine*r tut, stell doch einfach eine Altpapierkiste und eine Plastikmülltüte auf! Und Zuhause hast du es sowieso in der Hand, den Abfall konsequent zu trennen.

Mehr Tipps: Mülltrennung & Recycling: So trennst du deinen Müll richtig

13:20: Stromfresser verwenden

Elektrogeräte wie Computer, Monitore und Drucker sind per se nicht besonders nachhaltig, denn Herstellung und Entsorgung verschlingen viel Energie und natürliche Ressourcen.

Umso wichtiger ist es, wenigstens auf die Energieeffizienz zu achten: Effiziente Geräte sparen eine Menge Strom und damit auch Geld.

14:05: Falsch lüften

Im Büro ist es stickig, muffig oder feucht? Das spricht dafür, dass nicht richtig gelüftet wird. Falsches Lüften verschwendet Energie, begünstigt Schimmelbildung und lässt die Luft stickig werden.

Anstatt die Fenster stundenlang gekippt zu lassen oder sie bei voll aufgedrehter Heizung lange offen stehen zu lassen, lüfte besser mehrmals täglich jeweils fünf bis zehn Minuten und dreh im Winter so lange die Heizkörper ab.

14:50 Uhr: Kapselkaffee trinken

Versuche für einen besseren Schlaf abends auf koffeinhaltige Getränke wie Kaffee und schwarzen Tee zu verzichten.
Kaffe machen geht auch im Büro ohne Kapselmaschine. (Foto: CC0 / Pixabay / 6689062)

Die Kaffeemaschine ist oft das Herzstück eines Büros (und auch so mancher Wohnung). Wer hier richtig handelt, kann viel bewirken. Das gilt natürlich auch umgekehrt: Nespresso und andere Kapselkaffee-Systeme produzieren unnötig viel Müll – vor allem bei den Kaffeemengen, die in manchen Büros fließen, ist das Wahnsinn.

Brauchst du noch ein Argument, um dich selbst oder deine Vorgesetzten von einer besseren Alternative zu überzeugen? Hier: Mit Kaffee-Alternativen ohne Kapseln kann man bis zu 60 Euro pro Kilo Kaffee sparen.

Mehr Tipps: Slow Coffee: Das sind die besten Arten, richtig guten Kaffee zu machen

15:30 Uhr: Geld bei konventionellen Banken anlegen

Viele herkömmliche Banken investieren in Rüstung, Atom- und Kohlekraft oder spekulieren auf schwankende Nahrungsmittelpreise. Wer sein Geld dort anlegt, unterstützt diese Geschäfte indirekt.

Mehr: Bank wechseln: 7 Gründe, heute noch dein Konto umzuziehen

Mit dem Wechsel zu einer Ökobank könnten gerade Unternehmen wirkungsvolle Zeichen setzen. Fast alle grünen Banken bieten auch Geschäftskonten an.

15:55 Uhr: Wasser aus Plastikflaschen trinken

Leitungswasser - die nachhaltige Alternative zu Wasser aus PET-Flaschen.
Leitungswasser: die nachhaltige (und günstige!) Alternative zu Wasser aus PET-Flaschen. (Foto: CC0 / Pixabay / Arcaion)

Gilt im Büro genauso wie zuhause: Wer immer noch Wasser aus Plastikflaschen trinkt, trägt ganz aktiv zum globalen Plastikmüll-Problem bei. Fast überall in Deutschland ist das Leitungswasser bedenkenlos trinkbar und oft sogar von bessere Qualität als Flaschenwasser. Nutze einfach eine Glaskaraffe oder eine wiederverwendbare Trinkflasche.

17:15 Uhr: Energie verschwenden

Klar, im Dunkeln frierend will niemand arbeiten. Trotzdem müssen nicht immer die Heizungen bis zum Anschlag aufgedreht sein, alle Lichter brennen und alle Geräte auf Standby laufen. Eine Raumtemperatur von 20 Grad reicht völlig aus; wer zuletzt geht sollte die Heizkörper über Nacht zurückdrehen. Elektrogeräte, die gerade niemand verwendet, gehören ausgesteckt, um zu verhindern, dass sie im Standby-Modus weiterhin Energie verbrauchen.

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(7) Kommentare

  1. Danke für den interessanten und die Augen öffnenden Artikel, den ich teile – bis auf die Raumtemperatur: 20 Grad im Büro sind definitiv zu kalt, wenn man nicht in der Lage ist, mit Fäustlingen an den Fingern sinnstiftend eine Computertastatur zu bedienen…
    Darüber hinaus würde ich sagen: ich leiste jetzt mal einen Beitrag zum Klimaschutz und geh heim 😉

  2. Soso, es ist also ganz leicht, besser und nachhaltiger zu handeln? Gut die Hälfte der Tipps sind nur leider wirklich utopisch – als stinknormaler Arbeitnehmer habe ich darauf nämlich keinen Einfluss. Weder kann ich einem Arbeitgeber vorschreiben, wie er sein Geld anzulegen hat noch kann ich mal so eben Produkt- oder Bezugsquellenempfehlungen äußern, irgendwelche Stromfresser und giftige Möbel rausschmeißen oder auf grünen Strom pochen. Derartige Vorschläge mögen ab einer bestimmten Position noch geduldet werden, da wird man allenfalls als „Spinner“ abgetan, sollte man kein Gehör finden. In den unteren Ebenen aber, auf der die Meisten wohl tätig sein dürften, könnte ein derartiger „Ideenreichtum“ auch für ein deutliches Stirnrunzeln beim Chef sorgen und wenn es ganz dumm läuft, inklusive des Vorschlages sich einen anderen Arbeitgeber zu suchen, wenn einem der Betrieb nicht zusagt.

  3. Tritscher/Benutzername: Enznanif

    Liebe Mitsteiter,

    zum Thema „Ökosünden im Büro“ könnte mein gerade veröffentlicher Beitrag „Textmarker – ökologische Alternative“ passen.

    Konventionelle Textmarker -selbst die nachfüllbaren und aus „teilweise“ nachwachsenden Rohstoffen bestehenden – mit ihrem hohen Plastikanteil sind m.E. eine der größten Umweltsünden.

  4. Also vieles kann man selbst umsetzen, da sollte man sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Ich z.B. verzichte auf den Kaffee bei der Pause und nehme mir meinen eigenen Fairtrade und Bio Schwarztee mit. Ansonsten spricht nichts dagegen mal nachzufragen, ob man nicht auch Kopierpapier mit dem blauen Umweltengel verwenden kann. Trauen sie sich und geben sie ihren Arbeitgeber und ihren Kollegen eine Chance. Vlt. werden sie positiv überrascht.

  5. Vielleicht wird der Artikel nicht nur von Arbeitnehmern (ich nenne sie lieber Leistungsbringer) gelesen, sondern auch von einigen Arbeitgebern (ich nenne sie lieber Leistungsnehmer).
    Dazu mussdas Betriebsklima stimmen, aber oft sind Betriebe (wie auch Schulen) Stätten des Machtkampfes, so dass es nicht um das sachlich Sinnvolle geht, sondern nur ums Rechthaben, womit gute Vorschläge dann schnell vom Tisch gefegt werden. Mir sagte mal ein Kollege ironisch-satirisch zugespitzt, „och, das weißt du doch inzwischen: Was du sagst, ist unwichtig, wichtig ist in diesen heiligen Hallen nur, wer was sagt.

  6. Wettbewerb „Büro & Umwelt“

    Im Jahr 2008 wurde der Wettbewerb erstmals vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e.V. ausgelobt. Seitdem werden jährlich Deutschlands umweltfreundlichste Büros in verschiedenen Kategorien gesucht.

    Im Mittelpunkt des Wettbewerbs steht der schonende Umgang mit Ressourcen im Büroalltag sowie die Beachtung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten bei der Büroartikelbeschaffung.

    Bewerbungsschluss war der 31.5.2016…
    http://www.buero-und-umwelt.de/Wettbewerb.html

  7. Naja, bei solchen Wettbewerben bin ich inzwischen skeptisch geworden. Die Schulen wetteifern schon lange darum, welche die gesündeste, integrativste, fairste, antirassistischste, nachhaltigste etc.pp. ist, und tragen am Eingang Auszeichnungsplaketten wie alte Generäle ihre Orden. Ein Gymnasium wurde von der Unfallkasse NRW als gesunde Schule des Jahres ausgezeichnet, das lokale Anzeigenblatt brachte eine ganzseitige Jubelarie mit lauter Buzz- und Füllwörtern bishin zur satzbaulichen Totalverquirlung. Und dennoch sah es Mittags dort aus wie Sau, verkaufte die Mensa weiterhin Coffee-to-go-Plastikbecher und Stieleis in bunter Plastikfolie sogar in den kleinen Pausen. Änderungen an dieser Sau-Praxis wurden von der Schulleitung abgelehnt, denn „wir ham mitti Fierma sowwieso nen Fertrach“, und die Lehrer sollen es schön alleine richten. Loslehrermach, kennt man schon bei Dreijährigen und ihrem Liebergottmachdass. Außereuropäische Kulturen wissen: Zur Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf, aber die europäische Gesellschaft ist dafür zu infantil.