Weizengrassaft: Gesundes Wundermittel oder übertriebener Hype?

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Weizengrassaft gilt seit einigen Jahren als besonders gesund. Doch welche Wirkstoffe stecken wirklich drin und was ist dran an dem Hype? Wir verraten es dir.

Weizengrassaft ist bereits seit den 90er Jahren ein Trendgetränk in den USA. Doch auch bei uns ist er in den letzten Jahren sehr beliebt geworden. Obwohl Weizengrassaft ein Trendfood beziehungsweise Trendgetränk ist, handelt es sich hierbei nicht um eine exotische Pflanze von weit her: Nein, das Weizengras wächst direkt vor unserer Haustür.

Weizengrassaft wird aus den Jungtrieben des bei uns heimischen Weichweizens (Triticum aestivum) gewonnen. Die Sorte wird auch Brotweizen oder Saat-Weizen genannt. Wenn die Jungtriebe nach nur wenigen Tagen (bevor sich an den Blättern Knoten bilden) geerntet und dann gepresst werden, entsteht daraus Weizengrassaft. Weichweizen gehört zur Familie der Süßgräser und ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. In Eurasien wird die Weizenart seit mindestens 2700 Jahren angepflanzt.

Dieses Superfood soll eine Vitaminbombe sein, der Verdauung helfen und jung halten. Doch was ist wirklich dran an den Gerüchten?

Weizengrassaft und seine Inhaltsstoffe

Weizengrassaft ist reich an gesunden Vitaminen und Mineralstoffen.
Weizengrassaft ist reich an gesunden Vitaminen und Mineralstoffen. (Foto: CC0 / Pixabay / 3dman_eu)

Weizengrassaft verfügt über zahlreiche Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren und vor allem eines: Chlorophyll. Dieser Pflanzenfarbstoff verleiht dem Weizengrassaft seinen berühmten Spitznamen „grünes Blut“. Die hohe Konzentration in den Blättern sorgt dafür, dass der Saft später kräftig grün gefärbt ist. Zusätzlich weist Chlorophyll eine strukturelle Ähnlichkeit zu dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin auf.

Die Inhaltsstoffe im Weizengras können stark variieren. Sie entstehen abhängig vom Standort, von den Bodenbedingungen und der Erntezeit. Unter anderem lassen sich im Weizengrassaft jedoch folgende Nährstoffe auffinden:

Vitamine:

Obwohl oft das Gegenteil behauptet wird, enthält Weizengras nur wenig Vitamin B12.

Mineralstoffe und Spurenelemente:

Desweiteren enthält Weizengras eine Vielzahl an gesunden Aminosäuren wie Alanin, Histidin, Methionin und Lysin. Sie sind wichtig, um freie Radikale zu bekämpfen und um Proteine aufzubauen. Aus diesem Grund hat Weizengrassaft einen hohen Anteil an Eiweiß (circa 20 Prozent). Deshalb wird es häufig als Tierfutter verwendet.

Enthält Weizengras Gluten?

Keine Sorge: Obwohl es sich bei Weizengras um die jungen Triebe des Weizens handelt, enthält es kein Gluten. Selbst mit einer Zöliakie beziehungsweise Weizenunverträglichkeit kannst du es also ganz unbesorgt zu dir nehmen.

Weizengrassaft bei Magen-Darm-Erkrankungen

Weizengrassaft kann laut einer Pilotstudie Darm-Beschwerden lindern.
Weizengrassaft kann laut einer Pilotstudie Darm-Beschwerden lindern. (Foto: CC0 / Pixabay / derneuemann)

Weizengrassaft ist bekannt dafür, die Verdauung zu unterstützen. Seine Enzyme sollen die von dir aufgenommene Nahrung spalten und dir somit ermöglichen, sie schneller zu verdauen. Enzyme spielen die zentrale Rolle im menschlichen Stoffwechsel. Normalerweise produziert unsere Bauchspeicheldrüse diese Enzyme jedoch ganz von selbst. Eine Supplementierung ist laut dem Harvard Health Journal also nur dann notwendig, wenn du unter Krankheiten wie z.B. chronischer Pankreatitis oder Mukoviszidose leidest. Dann kann dein Körper die notwendigen Enzyme nicht mehr selbst produzieren.

Weizengrassaft soll nicht nur dabei helfen, deiner Verdauung wieder auf die Sprünge zu helfen. Es soll auch bei Magen-Darm-Erkrankungen wie der schwerwiegenden entzündlichen Darmerkrankung Colitis ulcerosa helfen. Symptome dieser Krankheit können starke Darmschmerzen, schmerzhafter Stuhlgang, Durchfall und sogar Blutungen sein. Laut einer Pilot-Studie soll Weizengrassaft lindernd auf all diese Sympome wirken und die Schwere der Blutungen abschwächen. Allein 100 Milliliter Weizengrassaft pro Tag können dabei schon eine große positive Wirkung auf deine Beschwerden haben. Allerdings kannst du die Krankheit nicht nur mit Weizengrassaft behandeln. Suche zusätzlich unbedingt einen Arzt auf.

 

Weizengrassaft: Reich an Antioxidantien und wirkungsvoll gegen Stress

Weizengrassaft wirkt gegen freie Radikale und oxidativen Stress.
Weizengrassaft wirkt gegen freie Radikale und oxidativen Stress. (Foto: CC0 / Pixabay / qimono)

Weizengrassaft ist nicht nur eine Vitaminbombe und somit gut für dein Immunsystem – er ist auch reich an Antioxidantien. Diese helfen, freie Radikale zu eliminieren, die unter anderem durch Stress, ungesunde Ernährung oder Rauchen entstehen. Zu vieler dieser freien Radikale können zum sogenannten „oxidativen Stress“ führen und deine Zellen schädigen. Dies wiederum soll das Risiko für viele Krankheiten erhöhen.

Neben den zahlreichen Vitaminen und Antioxidantien helfen laut einer wissenschaftlichen Untersuchung bestimmte Proteine im Weizengrassaft gegen oxidativen Stress.

Weizengrassaft unterstützend bei Krebs?

Hilft Weizengrassaft tatsächlich gegen Krebs?
Hilft Weizengrassaft tatsächlich gegen Krebs? (Foto: CC0 / Pixabay / PDPics)

Weizengrassaft soll so gesund sein, dass es sogar gegen Krebs helfen kann. Laut einer Studie aus dem Jahre 2017 soll das sogenannte „Grüne Blut“ die Zellteilung von Krebszellen bei Mundhöhlenkarzinomen, der sechsthäufigen Art von Krebstumoren, unterbinden. Diese Studie wurde jedoch im Reagenzglas durchgeführt. Ob der selbe Effekt eintritt, wenn man Weizengrassaft zu sich nimmt, ist nicht bewiesen.

Laut einer Studie aus China kann eine große Menge an Chlorophyll dabei helfen, krebserregende Aflatoxine aus der Leber besser auszuspülen. Aflatoxine sind gefährliche Giftstoffe, die in schlecht gelagerten Lebensmitteln vorkommen und Leberkrebs verursachen können.

Krebstumore können auf verschiedene Organe im Körper unterschiedlich stark wirken. Daher ist unklar, ob Weizengrassaft gegen alle Arten von Krebs wirkt. Der Saft unterstützt außerdem dein Immunsystem und Entgiftungsprozesse.

Weizengrassaft: Pulver oder doch selbst anbauen?

Weizengrassaft kannst du ganz praktisch als Pulver kaufen und in Smoothies mischen.
Weizengrassaft kannst du ganz praktisch als Pulver kaufen und in Smoothies mischen. (Foto: CC0 / Pixabay / SilviaStoedter)

Weizengras und der daraus produzierte Saft sind leicht verderblich und bilden einen Nährboden für Mikroorganismen und Keime. Deshalb wird Weizengras oft gepresst und zu Pulver verarbeitet: So kannst du es leicht trocken lagern und schnell zu einem Smoothie verarbeiten. Achte beim Kauf darauf, dass es sich bei dem Pulver um 100 Prozent Weizengras handelt und dass es biologisch angebaut wurde. Kaufe ausschließlich schongetrocknetes, junges Weizengras. Weizengras-Pulver findest du online. Als Mix mit Milchdistel, Lucuma und Chlorella gibt es das Pulver zum Beispiel bei **Avocadostore.

Natürlich behält frisch gepresster Weizengrassaft mehr seiner Nährstoffe bei: Wie du Weizengras selbst anbauen kannst und somit Schadstoffbelastungen vorbeugst, zeigen wir dir hier. Alternativ findest du den Saft auch in Reformhäusern und gut sortierten Bio-Supermärkten.

Es empfiehlt sich, den Weizengrassaft vor einer Mahlzeit einzunehmen und eine halbe Stunde mit dem Essen zu warten. Sonst kann es zu Übelkeit kommen. Wie viel du insgesamt zu dir nehmen kannst, unterscheidet sich von Person zu Person.

Da Weizengrassaft stark entgiftend wirkt, kann er zu Übelkeit, Kopfschmerzen oder Durchfall führen. Übertreibe deshalb anfangs nicht und trinke nur etwa ein Schnapsglas des Saftes (circa 20 Milliliter). Nach einer Gewöhnungsphase kannst du die Portionsgröße bis auf 100 Milliliter steigern. Wenn dir der Weizengrassaft sehr gut bekommt, kannst du sogar mehr (bis zu 200 Milliliter) zu dir nehmen.

Achtung: Du solltest Weizengras nicht pur essen. Es ist schlecht verwertbar und belastet den menschlichen Magen-Darm-Trakt, da es einen zu hohen Anteil an Ballaststoffen enthält.

Weizengrassaft: Wundermittel oder doch nur Hype?

Wie berechtigt ist der Hype um Weizengrassaft?
Wie berechtigt ist der Hype um Weizengrassaft? (Foto: CC0 / Pixabay / marijana1)

Weizengrassaft bietet viele gesundheitliche Vorteile: Es versorgt dich mit Vitaminen, hilft bei entzündlichen Krankheiten, und beugt oxidativem Stress vor .

Ist der Hype um ihn also berechtigt?

Jein.

Laut Dr. Stephanie Seifert vom Max Rubner-Institut für Ernährung und Lebensmittel kann unserer Körper das Chlorophyll nicht so gut verwerten. Es wird größtenteils wieder ausgeschieden. Das schwächt den gesundheitlichen Effekt von Weizengrassaft ab.

Die Spezialistin betont außerdem, dass andere Gemüsesorten wie z.B. Brokkoli oder Grünkohl über mehr Vitamine verfügen als Weizengrassaft. Brokkoli enthält zum Beispiel pro 100 Gramm 100 Milligramm Vitamin C, Weizengrassaft nur 97 Milligramm. Allerdings kann man Brokkoli in größeren Mengen zu sich nehmen – er ist auch angenehmer zu essen. So kann man die empfohlene Tagesdosis an zum Beispiel Vitamin C (etwa 90-110 Milligramm) leichter erreichen. 100 Milliliter Weizengrassaft können auf den Magen und Darm schlagen und Durchfall auslösen – deshalb solltest du besser davon absehen.

Außerdem gehen bei der Verarbeitung von Weizengras viele der wertvollen Inhaltsstoffe verloren. Auch zahlreiche Schadstoffe lassen sich in kommerziellen Produkten nachweisen. Mehr Informationen: Gerstengras und Weizengras: bringen nicht viel und schmecken kaum

Weizengrassaft eignet sich also als eine gute Ergänzung zu deiner gesunden Ernährung, sollte diese aber auf keinen Fall ersetzen.

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