Fairer Handel: Das solltest du über Fairtrade wissen

Foto: CC0/pixabay/suju

Fairer Handel stärkt die Rechte der Menschen, die für unsere Lebensmittel oder Kleidung arbeiten. Warum diese Unterstützung wichtig ist und was du dazu tun kannst, liest du hier.

Was ist fairer Handel und was macht ihn aus?

Fairer Handel unterstützt Arbeiter/innen im globalen Süden.
Fairer Handel unterstützt Arbeiter/innen im globalen Süden.
(Foto: CC0/pixabay/Free-Photos)

Produkte aus fairem Handel erkennst du als Verbraucher an den verschiedenen Fair-Trade-Siegeln – „fair trade“ bedeutet „fairer Handel“. Die Siegel auf dem Fair-Trade-Produkt kennzeichnen aber nur das Ende einer Kette von Händlern und Importeuren. Diese Kette reicht bis zu den Feldern oder Fabriken der Erzeuger zurück, die meist im globalen Süden liegen.

Fair Trade steht für kontrollierten Handel. Ziel ist es, den Erzeugern faire Preise für ihre Produkte zu zahlen, sodass sie von ihrer Arbeit leben können. Zusätzlich erhalten die Arbeiter einen Anteil vom Verkaufspreis, den sie innerhalb ihrer Gemeinschaft zum Beispiel für soziale Zwecke verwenden. Fairer Handel bedeutet somit auch, die Rechte der Arbeiter/innen zu achten und zu stärken.

Preise und Löhne: Wie viel ist fair?

Hinter einem fairen Preis steckt eine Preiskalkulation, die als absolute Untergrenze die Lebenshaltungskosten der Beteiligen sichert. Die World Fair Trade Organisation (kurz WFTO) definiert faire Preise und Löhne so:

  • Ein fairer Preis soll für alle am Handel Beteiligten einen fairen Lohn sichern und die entstanden Kosten decken.
  • Ein fairer Lohn muss einen würdigen Lebensstandard ermöglichen. Die Arbeiter und ihre Familien sollen damit Nahrung, Wasser, Wohnung, Kleidung und Bildung bezahlen können. Darüber hinaus muss der Lohn ausreichen, um ihre medizinische Versorgung zu sichern und Geld für Notfälle zurückzulegen.
  • Fair bedeutet auch, dass Frauen und Männer für gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten.

Fairer Handel bedeutet fairen Umgang

Faire Handelsorganisationen unterstützen ihre Partner zum Beispiel beim Ankauf von Landmaschinen.
Faire Handelsorganisationen unterstützen ihre Partner zum Beispiel beim Ankauf von Landmaschinen.
(Foto: CC0 / Pixabay / RonaldPlett)

Zum fairen Handel gehören neben fairen Preisen außerdem, dass die Handelspartner fair miteinander umgehen. Sie arbeiten möglichst langfristig zusammen. Das hat verschiedene Vorteile:

  • Kleinbauern in den Erzeugerländern erhalten dadurch Sicherheit und können in die Zukunft planen. Sie können sich beispielsweise Landmaschinen anschaffen oder ihre Rohprodukte selbst weiter verarbeiten, um so höhere Preise zu erzielen.
  • Die fairen Handelsorganisationen unterstützen in der Regel ihre Partner, wenn diese Kredite aufnehmen oder sich weiterbilden möchten. Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es zum Beispiel zu Anbaumethoden, biologischer Landwirtschaft oder Umweltschutz.
  • Fairer Handel bietet sichere Arbeitsbedingungen, die den Arbeitern sowohl finanzielle als auch gesundheitliche Sicherheit bieten. Kinderarbeit und Zwangsarbeit sind untersagt.
  • Die Arbeiter sollen sich organisieren und gemeinsam für ihre Rechte einstehen. Fairer Handel fördert damit demokratische Strukturen und kämpft gegen Diskriminierung. Oft arbeiten faire Handelsorganisationen mit Kleinbauern zusammen, die sich in Kooperativen organisieren, und unterstützen besonders Frauen-Kooperativen.

Beachte: Faire Handelsorganisationen fördern Umweltschutz und biologische Landwirtschaft. Allerdings muss fair gehandelt nicht gleichbedeutend mit biologisch angebaut sein. Wenn du neben einem Fair-Trade-Siegel auch ein Bio-Siegel auf der Verpackung findest, kannst du sicher sein, dass das Produkt aus ökologischer Landwirtschaft stammt.

Fairen Handel zu unterstützen ist wichtiger denn je

Bananen aus fairem Handel sollten alle Supermärkte anbieten.
Bananen aus fairem Handel sollten alle Supermärkte anbieten.
(Foto: CC0/pixabay/StockSnap)

Fairer Handel hat seine Wurzeln in den sozialen Bewegungen der 1960 Jahre und begann mit fair gehandeltem Kaffee. Laut Forum Fairer Handel stammt heute jede zwanzigste Tasse Kaffee in Deutschland aus fairem Handel und 14 Prozent der in Deutschland verkauften Bananen sind schon Fair-Trade-Produkte.

Der Anteil an fair gehandelten Waren wächst jedes Jahr, allein 2018 stieg er um fünfzehn Prozent an. Diese Erfolge helfen zwar, ändern aber noch nicht grundlegend die Situation. Das Forum Fairer Handel spricht von fast einer Milliarde Menschen, die aufgrund schlechter Handelsbedingungen in Armut leben und Hunger leiden.

Allgemein sinken die Preise, die internationale Konzerne am freien Markt zahlen, nämlich immer weiter. Besonders davon betroffen sind:

  • Lebensmittel 
  • Textilien und handwerkliche Waren wie zum Beispiel Teppiche
  • Elektrogeräte
  • Rohstoffe, wie seltene Erden, die in Elektrogeräten verbaut sind

Den Preisdruck spüren nicht nur Kleinbauern, sondern auch Arbeiter/innen in den Fabriken im globalen Süden. Der Lohn ihrer Arbeit reicht bei vielen nicht aus, um ihre Familien zu ernähren.

Das gilt inzwischen jedoch nicht mehr nur für exotische Waren, sondern ist auch hierzulande ein Thema – beispielsweise bei der Milch. Die GEPA erklärt, warum es wichtig ist, faire Milch zu kaufen: Auch kleinere regionale Milchbauern unterliegen im Preiskampf sonst den Großbetrieben mit industrieller Tierhaltung. 

Fairer Handel kontrolliert die Lieferkette

Unternehmen, die dem fairen Handel angehören, kontrollieren ihre Lieferketten sehr genau. Dadurch wollen sie gegen unfaire Geschäftspraktiken beim Einkauf vorgehen. Denn freiwillige Selbstkontrollen von Konzernen sind oftmals nicht konsequent oder werden nur sehr oberflächlich umgesetzt.

  • Der Mode-Discounter H&M hatte zum Beispiele versprochen, faire Löhne an die Textilarbeiter/innen zu zahlen. Laut Bericht der Clean Clothes Campaign für 2019 hat H&M dieses Versprechen noch nicht eingelöst: Der Konzern zahlt nur Minimumlöhne, die keinen würdigen Lebensunterhalt gewähren.

Auch das Beispiel von Bananen macht deutlich, warum Kontrollen im fairen Handel wichtig sind und dass der freie Markt keine fairen Preise schafft:

  • Oxfam berichtet, dass die ecuadorianische Re­gierung den Bananenpreis per Gesetz geregelt hat. Damit will sie Kleinbauern vor dem Preisdruck der internationalen Handelskonzerne schützen. Pro Kiste Bananen beträgt der gesetzliche Mindestpreis 6,22 US­ Dollar – das entspricht bei einem Kisteninhalt von 43 Pfund Bananen etwa 0,14 US Dollar pro Pfund.
  • Nach eigenen Angaben liegen Oxfam jedoch Informationen vor, dass große Handelsketten diese gesetzliche Regelung missachten: Sie zahlen inoffiziell weniger für eine Kiste Bananen.
  • Auch Einkäufer von deutschen Discountern sollen beteiligt sein. So hatte Lidl angekündigt, nur noch fair gehandelte Bananen zu verkaufen – dieses Versprechen jedoch nicht umgesetzt. 

Fairer Handel und seine Auswirkungen: Erreicht er seine Ziele?

Der faire Handel kann die Lage der Keinbauern verbessern.
Der faire Handel kann die Lage der Keinbauern verbessern.
(Foto: CC0/pixabay/Porch)

Der faire Handel will durch seine Arbeit den Menschen einen Weg aus der Armut aufzeigen und ihnen helfen, sich selbst zu helfen. 

Verschiedene Studien haben untersucht, ob der faire Handel seine Ziele erreicht und wie sich die Lebensbedingungen der Arbeiter/innen im globalen Süden verbessert haben. Ein Nachteil dieser Studien ist allerdings, dass sie die Entwicklung nur ausschnittsweise betrachten können. Sie beziehen sich meist auf Kooperative von Kaffeebauern und beschränken sich jeweils nur auf ein bestimmtes Kooperativ. Damit lassen sich ihre Ergebnisse nicht grundsätzlich auf andere fair gehandelte Waren übertragen.

Trotzdem zeigen solche Untersuchungen auf, was durch fairen Handel möglich ist:

  • Eine Studie der Universität Sussex legt nahe, dass die Kleinbauern sicherer auftreten, wenn sie sich zu größeren Kooperativen zusammenschließen. Das stärkt ihre Position gegenüber anderen Einkäufern als ihren fairen Handelspartnern – zum Beispiel bei Preisverhandlungen.
  • Eine amerikanische Studie von 2003 kommt zu dem Ergebnis, dass der faire Handel rasch Wirkung gezeigt hat. Ihr sicheres Einkommen habe es den Kleinbauern erleichtert, Kredite zu erhalten, Landmaschinen anzuschaffen oder sich selbstständig zu machen. Ihre Familien und Gemeinschaften seien intakt gewesen, die Kinder hätten eine Schulbildung erhalten.
  • Laut einer Schweizer Studie kann die Methode des fairen Handels Schule machen: So besserten sich die Bedingungen für die Arbeiter in der Region auch in Betrieben, die nicht direkt am Fair-Trade-System beteiligt waren.

Das Forum Fairer Handel berichtet außerdem, dass die Arbeiter ihr höheres Einkommen häufig in Bildung und Weiterentwicklung investieren. Ganze Gemeinden profitieren direkt und indirekt vom fairen Handel. Kleinbauern kaufen beispielsweise Maschinen, um ihre Ernte selbst weiterverarbeiten. Dadurch erzielen sie höhere Preise am Markt und können sogar Arbeitsplätze für andere schaffen.

Studien können schnelle und große Erfolge durch fairen Handel aber meist nur nachweisen, wenn die Lebensumstände in der Region vorher besonders von Armut geprägt waren. Demnach hat fairer Handel die Armut erst dann nachhaltig bekämpft, wenn Studien im Vergleich nicht mehr von deutlich steigenden Lebensbedingungen berichten können. Darauf weist die amerikanische Studie von 2003 hin: Die Verbesserungen durch fairen Handel sind in einer Region weniger deutlich wahrnehmbar, je besser die allgemeinen Lebensumstände dort bereits sind.  

Waren aus fairem Handel: So erkennst du sie

Auch Baumwolle gibt es aus fairem Handel.
Auch Baumwolle gibt es aus fairem Handel.
(Foto: CC0/pixabay/bobbycrim)

Fair gehandelte Waren erkennst du zunächst an den Fair-Trade-Siegeln oder an den Handelsmarken. Forum Fairer Handel erläutert, dass es Handelsmarken gibt und Organisationen, die zudem selber Siegel vergeben. Das internationale Fairtrade-Siegel vergibt beispielsweise der „TransFair e.V.“. Über allen Organisationen steht der international aktive Dachverband World Fair Trade Organisation (WFTO).

Siegel, Labels und andere Erkennungsmerkmale sind beispielsweise:

Handelsmarken sind unter anderem:

Fair gehandelte Waren: Hier wirst du fündig

Für Bananenarbeiter sind faire Löhne überlebenswichtig.
Für Bananenarbeiter sind faire Löhne überlebenswichtig.
(Foto: CC0/pixabay/Efraimstochter)

Fair gehandelte Ware braucht Käufer, die bereit sind, die fairen Preise zu zahlen. Das Forum Fairer Handel berichtet, dass der Umsatz mit fair gehandelten Waren in Deutschland für 2018 bei 1,7 Milliarden Euro lag. Im Durchschnitt hätte jeder Bundesbürger damit nur 20,50 Euro für faire Waren im Jahr ausgegeben.

Was kannst du tun? Du kannst diesen Durchschnitt steigern, indem du faire Produkte kaufst. Damit gibst du Handelskonzernen zu verstehen, dass fairer Handel für dich ein Argument für den Kauf ist – und kein Hindernis. 

Diese Waren kannst du zum Beispiel schon fair gehandelt kaufen: 

Bei Lebensmitteln hast du eine reiche Auswahl:

Fair gehandelte Schnittblumen erhältst du im Blumenladen oder mit dem Fairtrade-Siegel im Supermarkt.

Fair Fashion: Fair hergestellte Kleidung kannst du auch per App erkennen – oder du schaust in diesen Shopfinder, der dir faire Mode in deiner Umgebung anzeigt. Bei diesen Modemarken kannst du dir zum Beispiel faire Lieblingsstücke kaufen:

Auch für Smartphones gibt es faire Alternativen wie das Shiftphone oder das Fairphone2.

Möchtest du dich mehr für fairen Handel einsetzten, werde aktiv und unterstütze Kampagnen beispielsweise bei Fairtrade Deutschland.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.